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Bei 120 Mails macht der Server schlapp

am 05.12.2006 von LawBlog

Von EBERHARD PH. LILIENSIEK
Die Empörung nach der Einstellung des Mannesmann-Strafverfahrens schlägt noch immer hoch – doch vor derselben Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf stehen inzwischen viele Menschen auch Schlange. Sie alle wollen einen Anteil von den 2.320.000 Euro, die die sechs Angeklagten an gemeinnützige Organisationen zahlen sollen.
„So etwas“, sagt Ulrich Thole, „habe ich in meinen 15 Richterjahren noch nie erlebt“. Auch der Pressesprecher der Behörde wird von flehentlichen Bitten, barschen Forderungen und anspruchsvollen Appellen geradezu überrollt. Gestern rief er öffentlich um Hilfe: Gemeinnützige Einrichtungen sollen Anfragen nur noch schriftlich einreichen. Schon einen Tag nach der Verkündung des Beschlusses, in der Nacht vom vorigen Donnerstag auf Freitag, quollen aus dem Faxgerät des Landgerichts 700 Blatt Papier.

Die Bewerber legten den E-Mail-Server lahm: Sie schickten elektronische Briefe und hängten zu viele dicke Begründungen an, die das Computer-Postfach schlicht verstopften. „Täglich erreichen uns allein bis zu 120 E-Mails“, berichtet Thole, zu dem erstmal keine Telefonate mehr durchgestellt werden. Weil die „Aufrechterhaltung des allgemeinen Gerichtsbetriebes“ gefährdet ist, werden Anrufer mit dem Hinweis auf das Internet (www.lg-duesseldorf.nrw.de) und die Pressemitteilung “10/2006″ dort verwiesen.
In den vergangenen Tagen blieben Zeugen, Anwälte und die normale Justiz-Kundschaft „auf der Strecke“, sagt Thole: „Unsere Telefonzentrale hatte mitunter 30 Anrufe gleichzeitig in der Warteschleife“. Der Appetit auf das Geld ist beträchtlich und kennt keine Hemmschwellen. Weil sie fürchten, nur ihre Zentrale bekommt einen Batzen ab, melden sich selbst Orts- und Kreisverbände bundesweiter gemeinnütziger Organisationen.
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