Bericht: Steueraffäre um Konten in Liechtenstein weitet sich aus
Reuters | 2. August 2008 — Berlin (Reuters) - Die Affäre um Steuerhinterziehung und Schwarzgeld-Konten in Liechtenstein weitet sich Medienberichten zufolg…
Düsseldorf (Reuters) - Hunderte deutscher Steuersünder mit Milliarden-Guthaben auf Konten in Liechtenstein müssen vor der Steuerfahndung zittern.
Die Staatsanwaltschaft in Rostock hat nach eigenen Angaben in einem Erpresserprozess um Schwarzgeldkonten Unterlagen mit Daten von voraussichtlich über 1800 deutschen Kunden der Liechtensteinischen Landesbank LBB erhalten. Diese würden nun von Steuerfahndern ausgewertet, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Oberstaatsanwalt Peter Lückemann, am Montag. Diese prüften nun, ob die aufgeführten Einkünfte "steuerlich erklärt worden sind". Wo dies nicht der Fall sei, würden Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Den Ermittlern seien rund 600 Blätter übergeben worden, auf denen jeweils Daten von drei bis vier Kunden des Geldhauses zu finden seien, sagte Lückemann weiter. Die Datensätze seien umfassend. So seien Depotnummern, Zinsen, Namen und Anschriften der Inhaber aufgeführt. Nach einer ersten Prüfung könnten sich die Vermögenswerte auf insgesamt Milliarden von Euro belaufen. Eine Größenordnung von drei Milliarden Euro sei möglich. In Depots befänden sich sechsstellige, aber auch teils siebenstellige Euro-Beträge. Die Unterlagen waren der Staatsanwaltschaft in einem Prozess gegen mehrere Männer übergeben worden, die die LBB mit Kontendaten über mögliche Schwarzgelder erpressen wollten. Deren Verteidiger hätten nun aber keine weiteren Unterlagen mehr in Aussicht gestellt.
In weiteren Ermittlungen geht auch die Staatsanwaltschaft Bochum gegen Steuersünder vor, die über Liechtensteiner Stiftungen Gelder am Fiskus vorbeigeleitet haben sollen. Die Bochumer Ankläger ermitteln auch gegen den ehemaligen Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel. Ausgelöst wurden diese Ermittlungen durch die Datensammlung einer Liechtensteiner Bank, die der Bundesnachrichtendienst Regierungskreisen zufolge für 4,2 Millionen Euro gekauft hatte.
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