Bauernpräsident: Zeit der billigen Lebensmittel ist vorbei
Reuters | 20. Januar 2011 — Berlin (Reuters) - Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hat die Phase der billigen Lebensmittel für beendet erklärt. "Die Zeiten …
Berlin (Reuters) - Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hat die Phase der billigen Lebensmittel für beendet erklärt.
"Die Zeiten sind vorbei", sagte der Chef des Deutschen Bauernverbandes am Donnerstag in der ARD. "Aber trotz allem ernähren sich die Menschen so preisgünstig und so vielfältig und sicher wie noch niemals in der Menschheitsgeschichte." Die Preise für Agrarprodukte dürften in diesem Jahr um zwei Prozent zulegen. "Unsere Kosten für Energie, für Düngemittel, für Betriebsmittel sind enorm gestiegen", sagte Sonnleitner. "Wir brauchen diese Preissteigerung."
LEBENSMITTEL VERTEUERTEN SICH STÄRKER ALS ANDERE WAREN
Nahrungsmittel verteuerten sich 2010 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um durchschnittlich 1,6 Prozent, während die gesamten Kosten für die Lebenshaltung nur um 1,1 Prozent stiegen. Am Jahresende beschleunigte sich der Preisauftrieb für Lebensmittel deutlich: Im Dezember gab es ein Plus von 3,6 Prozent. Seit 2005 stiegen die Preise sogar um 13,0 Prozent, während die gesamten Verbraucherpreise nur um gut acht Prozent zulegten.
2010 verteuerte sich Butter besonders stark: Sie kostete fast 24 Prozent mehr. Für Gemüse mussten die Verbraucher gut sechs Prozent mehr bezahlen, für Obst 5,2 Prozent. Besonders in der zweiten Jahreshälfte zogen die Preise deutlich an. Brot- und Getreideerzeugnisse verbilligten sich indes auf Jahressicht um 0,3 Prozent.
ROHSTOFFE SORGEN FÜR PREISDRUCK
Experten erwarten für 2011 weiter steigende Rohstoffpreise, was etwa die deutschen Großhändler mit Sorge betrachten. Verteuern dürften sich Kakao, Zucker, Reis, Kaffee und andere Agrarrohstoffe.
Auch die Produzentenpreise stiegen zuletzt kräftig, im Dezember sogar so stark wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Die Erzeuger von Energie, Lebensmitteln, Metallen und anderen gewerblichen Produkten erhöhten ihre Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um durchschnittlich 5,3 Prozent. Zum November zogen die Preise um 0,7 Prozent an - knapp doppelt so stark wie von Analysten erwartet.
Die Produzentenpreise geben einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Inflation, weil der Handel höhere Kosten zumindest teilweise an seine Kunden weitergibt. Die Lebenshaltungskosten stiegen 2010 um durchschnittlich 1,1 Prozent. Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit 1,8 Prozent. Die Europäische Zentralbank sieht stabile Preise bei Werten bis knapp unter zwei Prozent gewährleistet.
Erschienen 20. Januar 2011 bei http://www.reuters.com.
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