Im Führungsstreit der Linkspartei wächst Druck auf Bartsch
Reuters | 11. Januar 2010 — Berlin (Reuters) - Im Führungsstreit der Linkspartei wächst der Druck auf Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Der Vorsitze…
Berlin (Reuters) - Linken-Parteichef Oskar Lafontaine hat sich im Führungsstreit der Linkspartei gegen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch durchgesetzt.
Er werde sich im Mai von seinem Amt zurückziehen, kündigte Bartsch am Freitag in Berlin an. "Ich werde ... auf dem bevorstehenden Bundesparteitag in Rostock nicht für die Funktion des Bundesgeschäftsführers kandidieren, weil ich den Weg frei machen möchte - weg von einer Personaldebatte, hin zur Politik." Damit bleibt allerdings offen, ob sich Bartsch für andere Posten in der Parteispitze bewerben will.
"Über mich wurden Lügen verbreitet, gegen mich wurden inakzeptable Vorwürfe in zum Teil extrem kulturloser Weise erhoben", erklärte Bartsch schriftlich. Den von Fraktionschef Gregor Gysi erhobenen Vorwurf der Illoyalität gegenüber Lafontaine weise er entschieden zurück.
Bartsch hatte vertrauliche Informationen an Medien weitergegeben und damit die Debatte um ein Ausscheiden des an Krebs erkrankten Lafontaine befeuert. "Der Bundesgeschäftsführer war gegenüber dem Vorsitzenden nicht loyal und das hat Folgen", hatte Gysi daher am Montag angekündigt.
Im Lager von Lafontaine hatte es geheißen, eine Rückkehr des Parteichefs auf die politische Bühne sei undenkbar, wenn Bartsch Parteimanager bleibe. Der 66-Jährige hat bislang offen gelassen, ob er sich beim Parteitag erneut für den Linken-Vorsitz bewerben wird.
Bartsch erklärte, es gehe nicht um einen Konflikt zwischen ihm und Lafontaine, auch nicht um einen Konflikt zwischen west- und ostdeutsche Landesverbände. "Es geht um die politische und strategische Ausrichtung der Partei", schrieb Bartsch. Damit spielt er auf den Streit in der Linkspartei um die "roten Linien" bei einer Regierungsbeteiligung an.
Erschienen 15. Januar 2010 bei http://www.reuters.com.
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