Bahnfahren wird ab Dezember um rund 1,8 Prozent teurer

Berlin (Reuters) - Bahnfahren wird ab Dezember erneut teurer.

Trotz gesunkener Energiekosten und einer Null-Inflation erhöht die Deutsche Bahn ihre Preise um rund 1,8 Prozent im Nah- und Fernverkehr. Begründet wird die Anhebung mit stark gestiegenen Personalkosten nach dem Tarifstreit der vergangenen Jahre. "Die Bahn hat hier eine Entscheidung mit Augenmaß getroffen", sagte der Vorstand für Personenverkehr, Ulrich Homburg, am Dienstag in Berlin. Die Bahn leidet vor allem im Frachtverkehr erheblich unter der Wirtschaftskrise. Der Personenverkehr war dagegen lange relativ stabil. Allerdings machen sich auch hier in den vergangenen Monaten steigende Arbeitslosenzahlen sowie die Kürzung von Firmen-Reisebudgets bemerkbar.

Fahrgast- und Umweltverbände kritisierten die Erhöhung vor dem Hintergrund gesunkener Energiepreise als wenig begründet und unverhältnismäßig. Die Gewerkschaft Transnet verwahrte sich dagegen, dass Lohnerhöhungen als Grund für die gestiegenen Fahrpreise genannt wurden.

Im vergangenen Jahr waren die Bahnpreise um knapp vier Prozent erhöht worden, in den Jahren zuvor jeweils um knapp drei Prozent. Dies war jedes Mal mit drastisch gestiegenen Energiepreisen begründet worden, obwohl etwa die hohen Spritpreise auch Autofahrer zum Umsteigen auf die Bahn bewegten.

RESERVIERUNG WIRD DEUTLICH TEURER - KEINE SCHALTERGEBÜHR

Deutlich stärker als die Ticket-Preise der 1. und 2.Klasse steigen zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember die Preise für Reservierungen: Sie werden um 50 Cent pro Fahrt angehoben und betragen nun am Schalter 4,50 Euro und 2,50 Euro am Automaten und im Internet. Einen neuen Vorstoß für eine Schaltergebühr soll es dagegen nicht geben. Im vergangenen Jahr hatten die Bahn solche Pläne nach massivem öffentlichen Protest zurückziehen müssen.

Der Preis für die BahnCard 50 der zweiten Klasse beträgt künftig 230 Euro (225 Euro). Die BahnCard 25 kostet weiter 57 Euro. Sie gilt aber künftig auch für die Dauer-Spezial-Preise der Bahn, womit Fahrkarten besonders in reiseschwachen Zeiten günstiger zu haben sind.

Der Verkehrs- und Umweltverband VCD kritisierte, die Bahn wolle offenbar mit den höheren Preisen die Verluste im Güterverkehr abfangen und dafür die Fahrgäste zur Kassen bitten. Zudem bessere sich weder Qualität noch Angebot. "Das schreckt letztlich Fahrgäste ab", sagte der VCD-Vorsitzende Michael Gehrmann. Besonders die Reservierungskosten erhöhten sich unverhältnismäßig. Auch Stefan Jugelt vom Kundenverband Pro Bahn nannte die Erhöhungen nicht gerechtfertigt. Der Personenverkehr laufe weiter gut, sagte er. So könne die Bahn schlecht gegen die Konkurrenz des Autos bestehen.

Die Gewerkschaft Transnet verwies darauf, dass die Bahn die Tarifeinigung als verkraftbar bezeichnet habe. Daher sei man verwundert darüber, dass die Personalkosten nun als Grund für die Verteuerung genannt würden, sagte Sprecher Michael Klein.

BAHN ERWARTET MEHREINNAHMEN VON 50 MILLIONEN EURO

Insgesamt erwartet sich die Bahn durch die höheren Preise Mehreinnahmen von rund 50 Millionen Euro, dabei der Großteil im Fernverkehr. Das Unternehmen geht davon aus, dass man in der Sparte ebenso wie im Nahverkehr in diesem Jahr weiter einen Gewinn ausweisen wird. Allerdings würden sich die Belastungen aus den Problemen mit den ICE-Achsen unter anderem wegen verstärkter Kontrollen mit voraussichtlich rund 350 Millionen Euro auswirken. In den nächsten Jahren müssen alle Achsen bei ICE-3 und den Neigetechnikzügen ICE-T ausgetauscht werden. Bei der S-Bahn-Berlin wir wegen ähnlicher Probleme mit rund 100 Millionen Kosten gerechnet.



Quelle: Reuters (6. Oktober 2009)

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Themen: Berlin , Germany , Protest , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , German Equities , Inflation , Deutsche Bahn , Automaten , General News , Macro-economics , Industrials , Rail And Road - Freight , Road And Rail , Politics International Affairs And Law

Erschienen 6. Oktober 2009 bei http://www.reuters.com.

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