BaFin erstattet Anzeige wegen vertraulicher Bankdaten

Frankfurt/Washington (Reuters) - Die Finanzaufsicht BaFin hat Strafanzeige wegen der Veröffentlichung vertraulicher Daten über faule Wertpapiere bei den Banken erstattet.

Es sei eine streng vertrauliche Aufstellung der Behörde über Vermögenswerte einzelner Banken an die Öffentlichkeit gelangt, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht am Freitagabend offenbar mit Blick auf eine Berichterstattung der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag mit. Dies könnte einen Verstoß gegen gesetzliche Verschwiegenheitspflichten darstellen. Deshalb habe das Amt die Staatsanwaltschaft München gebeten, strafrechtliche Ermittlungen gegen Unbekannt aufzunehmen.

Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" vorab aus ihrer Samstagausgabe berichtet, die BaFin beziffere die Risiken der deutschen Banken aus ausfallgefährdeten Krediten und toxischen Wertpapieren auf insgesamt 816 Milliarden Euro. Sie nannte zudem Einzelheiten zu verschiedenen Instituten. Dabei berief sie sich auf eine interne Aufstellung der Aufsichtsbehörde.

Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sagte in Washington, einen Bericht der BaFin mit den darin genannten Summen kenne er nicht. Er hielte es für bedenklich, wenn eine solche Liste von Banken mit Details zu Risikoanlagen veröffentlicht worden sei. Das wäre klarer Gesetzesverstoß, denn die Weitergabe solcher Informationen sei nach Kreditwesengesetz verboten.

Bundesbank-Präsident Axel Weber warnte in der US-Hauptstadt wie Asmussen vor einem leichtfertigen Umgang mit den genannten Zahlen. Hinter solchen aggregierten Daten könnten sich sehr unterschiedliche Dinge verbergen, warnte der Staatssekretär. Weber plädierte für einen sehr vorsichtigen Umgang mit solchen Berichten. Das gelte wegen der Komplexität und Besonderheiten von bestimmten Wertpapiere wie auch wegen ihrer Preise, die sich jeden Tag änderten. Er könne nur davor warnen, aus einer solchen "eindimensionale Liste" auf die konkrete Betroffenheit einer Bank von bestimmten Risiken zu schließen.

Die BaFin warnte vor einer Fehlinterpretation der vertraulichen Liste. Es gehe darin um Portfolien mit unterschiedlicher Ausrichtung. Eingeflossen seien nicht nur toxische oder andere Wertpapiere, sondern unter anderem Vermögenswerte, die nach Angaben der Banken nicht mehr zur aktuellen Geschäftsstrategie passten und die daher ausgegliedert werden könnten. Die Liste lasse keine Rückschlüsse auf eventuelle Risiken, Verluste oder gar die Bonität der aufgeführten Kreditinstitute zu. Bei den Angaben handele es sich unter anderem um Bruttobeträge. Risikovorsorge, Sicherheiten und Gegengeschäfte seien darin zum Beispiel nicht berücksichtigt, stellte die Behörde klar.

Dem Zeitungsbericht zufolge wiesen die insgesamt aufgeführten 17 Banken die Zahlen überwiegend als irreführend zurück. "Wir wissen nicht, wer die Zahlen zusammengestellt hat und können sie auch nicht nachvollziehen", wird etwa der Sprecher einer Großbank zitiert.

Die Bundesregierung will sich schnell auf ein Bad-Bank-Modell zur Entlastung deutscher Bankbilanzen von Schrottanlagen einigen. In einem Papier aus dem Bundesfinanzministerium war von einer Schätzung der BaFin von Risiken in Höhe von 853 Milliarden Euro die Rede. Dies sei eine Schätzung vom Jahresbeginn, das neue Papier der Aufsichtsbehörde nenne als Bewertungsstichtag den 26. Februar, hieß es in der Zeitung.



Quelle: Reuters (25. April 2009)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Germany , Frankfurt , Bundesbank , Bafin , Western Europe , Europe , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , German Equities , Regulation And Enforcement , Financials , Banks , Banks (industry Group) , Italy , RG , Financials - Speciality

Erschienen 25. April 2009 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Gegen Unbekannt in München

LawBlog | 26. April 2009 — Ein Artikel der “Süddeutschen Zeitung” (SZ) ist an diesem Wochenende Gesprächsthema Nummer Eins in der Finanzbranche. Unter d…

BaFin beziffert Kreditrisiken auf 816 Milliarden Euro

Handakte WebLAWg | 26. April 2009 — Ein geheimes Papier der BaFin ist öffentlich geworden - und sorgt für Aufregung. Für 17 Banken schlüsselt es milliardenschwer…

BaFin untersucht Hinweis auf Iran-Sanktionsbruch durch Bank

Reuters | 19. Juli 2010 — Berlin (Reuters) - Die deutsche Finanzaufsicht untersucht nach Angaben der Bundesregierung Hinweise auf einen möglichen Bruch d…

Hamburger Bank bestreitet Bruch von Iran-Sanktionen

Reuters | 19. Juli 2010 — Berlin/Frankfurt (Reuters) - Die Europäisch-Iranische Handelsbank (EIH) hat den Vorwurf zurückgewiesen, die gegen den Iran verh…

Experten fordern Änderungen bei Bad-Bank-Modell der Regierung

Reuters | 15. Juni 2009 — Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung erhält weitgehend Rückenwind für ihr Bad-Bank-Modell zur Bilanzbereinigung der Kreditwir…

Handelsblatt: Bund arbeitet an neuem Rettungsplan für Banken

Reuters | 22. Januar 2009Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung arbeitet einem Zeitungsbericht zufolge wegen der immer desolateren Lage der deutschen Ba…

Lehman Brothers: Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht (BaFin) stellt Entschädigungsfall für Lehman Brothers Bankhaus AG fest

KAPITAL-RECHTINFO | 28. Oktober 2008 — Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am Dienstag, dem 28. Oktober 2008, für die Lehman Brothers Bankhau…

Regierung will bis Mai Lösung für Bad-Bank-Thema finden

Reuters | 21. April 2009Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will sich schnell auf ein Bad Bank-Modell zur Entlastung deutscher Bankbilanzen von Sc…

Wussten Sie schon…,

Handelsvertreter Blog | 17. Juli 2009 — dass die BaFin aufgelöst werden soll? Die FDP plant dies im Rahmen des Verwaltungsabbaus schon lange. Seit der Finanzkrise ha…

Regierung will bis Mai Lösung für Bad-Bank-Thema finden

Reuters | 21. April 2009Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will sich schnell auf ein Bad Bank-Modell zur Entlastung deutscher Bankbilanzen von Sc…