BA-Forscher erwarten über vier Millionen Arbeitslose
Reuters | 12. März 2009 — Berlin (Reuters) - Die Wirtschaftskrise wird den Arbeitsmarkt womöglich härter treffen als bislang erwartet. Zum Jahresende k…
Berlin (Reuters) - Die Wirtschaftskrise wird den deutschen Arbeitsmarkt womöglich weitaus härter treffen als bislang erwartet.
In einer neuen Prognose rechnet das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (BA) für das laufende Jahr mit einem drastischen Anstieg der Arbeitslosenzahl. Im ungünstigsten Fall könnte die Zahl demnach im Jahresdurchschnitt um 430.000 auf 3,7 Millionen steigen. Dies geht aus einer Reuters vorliegenden Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die im Laufe des Donnerstags veröffentlicht werden soll.
Damit hat sich die Prognose der Experten in nur wenigen Monaten drastisch verschlechtert: Im September hatte das IAB noch mit einem Rückgang der Jahresarbeitslosenzahl 2009 auf 3,16 Millionen gerechnet. Nur einen Monat später hoben die Forscher im Oktober die Zahl auf 3,3 Millionen an. In der mittleren Variante der neuen Prognose, die von einem BIP-Rückgang um 2,75 Prozent ausgeht, erwartet das IAB nun 3,6 Millionen Arbeitslose.
Damit es nicht noch schlechter kommt, muss die Wirtschaft nach Einschätzung des IAB im zweiten Halbjahr aber nicht nur stagnieren, sondern sich bereits wieder erholen. Andernfalls "muss eine Schrumpfung des realen BIP um 3,5 Prozent unterstellt werden", heißt es in der Studie. In dieser Variante stiege die Arbeitslosenzahl im Mittel auf 3,7 Millionen. Diese ungünstigere Entwicklung sei "aus heutiger Sicht wahrscheinlicher".
KURZARBEIT VERHINDERT NOCH STÄRKEREN ANSTIEG
Die Auswirkungen der tiefen Rezession auf dem Arbeitsmarkt werden nach Einschätzung der IAB-Forscher von mehreren Faktoren gebremst. Die strukturelle Arbeitslosigkeit sei gesunken, und der Arbeitsmarkt profitiere von der moderaten Lohnentwicklung der vergangenen Jahre. Zudem drängen aus demografischen Gründen 150.000 Menschen weniger auf den Arbeitsmarkt. Positiv sei auch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung, das Beschäftigung erhalten solle. Dazu gehört auch die Erleichterung von Kurzarbeit, mit der Unternehmen Auftragsflauten für eine begrenzte Zeit ohne Entlassungen überbrücken können.
Die Zahl der Kurzarbeiter könnte der Studie zufolge im ungünstigsten Fall eines BIP-Rückgangs von 3,5 Prozent auf 510.000 im Jahresdurchschnitt steigen. Bei einem Minuswachstum von nur 2,75 Prozent rechnet das IAB mit 450.000 Kurzarbeitern, von denen 400.000 konjunkturelles Kurzarbeitergeld beziehen würden. Die BA ging bisher von in Schnitt 250.000 Kurzarbeitern aus.
"Für den Arbeitsmarkt ist keine schnelle Erholung zu erwarten", heißt es in der Studie. Einstellungen und Entlassungen liefen der Konjunktur hinterher, so dass im Fall eines Aufschwungs zunächst Möglichkeiten flexibler Arbeitszeit genutzt, Minusstunden aufgeholt und Kurzarbeit zurückgefahren würden. Die Forscher sehen aber Grund zu der Hoffnung, "dass der Arbeitsmarkt weniger Schaden nimmt, als das Ausmaß der Krise hätte erwarten lassen".
Erschienen 12. März 2009 bei http://www.reuters.com.
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