“Zieh Dich aus, oder wir wenden Gewalt an!”
Was sich wie ein typischer Vergewaltigungsfall anhört, war in Wirklichkeit die Aufforderung zweier männlicher Bundespolizisten an unsere Mandantin. Doch gefühlsmäßig kam ihr das einer Vergewaltigung sehr nahe. Unsere Mandantin, eine attraktive, großgewachsene 24jährige Studentin hat ihr universitäres Examen bestanden und am letzten Arbeitstag in ihrem Studentenjob kurz vor Weihnachten nach Dienstschluß mit den Kollegen noch ihren Ausstand gefeiert. Leider ein Glas zuviel und sie begab sich zur S-Bahn, um schnell nach Hause zu fahren.
Als sie wieder aufwachte, befand sie sich in der Ausnüchterungszelle der Bundespolizei im Hauptbahnhof. Es war ihr sehr peinlich, ist ihr so etwas doch noch nie vorher passiert. Was allerdings dann folgte, ist selbst für einen erfahrenen Strafrechtler kaum zu fassen:
Nachdem die diensthabenden Bundespolizisten zusammen mit einem herbeigerufenen Arzt eine Blutprobe bei unserer Mandantin entnommen haben, wollten sie noch erkennungsdienstliche Maßnahmen bei ihr durchführen. Hiergegen wehrte sich die Studentin zurecht und für die beiden Bundespolizisten wohl zu eloquent. Das sich anschließende Geschehen schildert unsere Mandantin so: “ ‘Hör auf zu quatschen, meinst du, du bist schlauer als wir und stell dich da hinten hin.’ Er zeigte in die Ecke gegenüber der Tür. Ich stelle mich in die Ecke, dann meint er: ‘So und jetzt zieh dich aus.’ Ich: ‘Also jetzt reichts, ich zieh mich doch hier nicht aus, hast Du schlechten Sex oder gar keinen oder warum behandelst Du mich so?’ (Ich habe ihn in dem Moment absichtlich geduzt, weil er das ja auch die ganze Zeit gemacht hat, aber auch gleichzeitig gedacht: XXX warum kannst du nicht deinen Mund halten, das hat wahrscheinlich genau den Nagel auf den Kopf getroffen). Der Dunkelhaarige: ‘Sag mal, behandelt Dich Dein Freund schlecht, falls du überhaupt einen hast? Zieh Dich jetzt aus, oder willst Du, dass wir Gewalt gegen Dich anwenden?“ Na dann habe ich mich halt ausgezogen. Ich habe die ganze Zeit gedacht: Scheiße, was wird das hier noch alles, aber als er das mit der Gewalt meinte, hab ich irgendwie Panik bekommen. Ich hab die die ganze Zeit nicht direkt angeguckt, aber total gemerkt, dass die sich innerlich einen über mich grinsen, ich hab mich so geschämt und mich so angeekelt gefühlt. Habe meine Sachen auf die Pritsche geworfen und wollte zuerst nur bis zum BH ausziehen, dann meinte der Dunkelhaarige: ‘Weiter.’ Ich weiß noch, dass ich meinte: ‘Und soll ich mich jetzt noch nach vorne beugen, damit ihr mir in den Arsch schauen könnt, um zu gucken, ob ich irgendwelche Drogen dabei habe?’ Ich kann ja dann auch meinen Mund nicht halten, aber ich hatte das Gefühl, dass ich irgendetwas sagen muss, weil ich ja auch nicht wusste was kommt. Als ich fast komplett nackt bin (bis auf den Tanga) sagt der Dunkelhaarige: ‘Umdrehen!’ Ich: ‘Ich dreh mich nicht um, warum soll ich mich umdrehen?’ Er: ‘Umdrehen, oder wir wenden Gewalt an.’ Ok, drehe ich mich halt um. Nachdem ich mich einmal im Kreis gedreht habe, grinsen die beiden und sagen: ‘Alles klar, kannst dich wieder anziehen.’ Dann gehen sie beide raus.” Sogar wir waren fassungslos, als uns der Sachverhalt geschildert wurde. Es gab weder einen Grund, eine derartige Leibesvisitation durchzuführen, noch ist es zulässig, daß Männer diese bei Frauen durchführen. Offensichtlich wollten die beiden Bundespolizisten die Studentin gezielt erniedrigen bzw. sich an ihrem Anblick sexuell erregen.
Diesen unglaublichen Sachverhalt haben wir im Auftrage unserer Mandantin der Staatsanwaltschaft Berlin geschildert; verbunden mit der Bitte um Überprüfung, ob ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Mißbrauchs von behördlich Verwahrten unter Ausnutzung der Amtsstellung gemäß §§ 174a und/oder 174b StGB, Nötigung im Amte gemäß § 240 IV Nr. 3 und Beleidigung, § 185 StGB einzuleiten ist. Erforderliche Strafanträge sind gestellt worden.
Die Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen aufgenommen.
Tags: ohne Worte, Strafrechtohne Worte, Strafrecht Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nicht mehr im Original verfügbar.Themen: Gewalt , Weihnachten , Zieh Dich Aus
Erschienen 30. Januar 2007 auf http://rechtsnotizen.de.
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