Bundesregierung erwägt Aufnahme von Guantanamo-Insassen
Reuters | 27. März 2010 — Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will nun womöglich doch Häftlinge aus dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo auf…
Berlin (Reuters) - Das Auswärtige Amt dringt auf eine rasche Entscheidung über die Aufnahme entlassener Guantanamo-Häftlinge in Deutschland.
Mit dem Erlass von US-Präsident Barack Obama zur Schließung des weltweit kritisierten Gefangenenlagers sei klar, dass die US-Regierung wegen der Aufnahme von Insassen "auf dritte Staaten zugehen" werde, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Zugleich habe Obama seine Außenministerin Hillary Clinton beauftragt, entsprechende Verhandlungen aufzunehmen.
"Es ist ein Thema, das mit Sicherheit auf uns zukommt", sagte der Sprecher weiter. Darum seien alle gut beraten, "auf diese Frage und erwartete Bitten vorbereitet zu sein".
Über eine Grundsatzentscheidung streiten Außen- und Innenministerium. Während Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) auch nicht-deutschen Guantanamo-Insassen eine Bleibe bieten will, hat sich Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dagegen gewandt. Die Bundesregierung hält sich ihre Entscheidung daher bislang offen.
Deutschland warte ab, ob und welche Bitte aus Washington komme, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Zunächst sei Amerika gefordert, dazu Stellung zu beziehen. Wenn es eine Bitte gebe, werde in Europa beraten, ob gegebenenfalls einige Staaten Hilfe leisteten.
Steinmeiers Sprecher betonte, bei einem Telefonat des Ministers mit Clinton am Vorabend sei Guantanamo kein Thema gewesen. Es habe aber schon bei Kontakten mit Vertretern der neuen US-Regierung im vergangenen Jahr Hinweise gegeben, dass die neue amerikanische Regierung sehr bald Schritte unternehmen wolle. Dem Sprecher zufolge wollen sich Steinmeier und Schäuble bald zu einem Gespräch treffen. Einen Termin gibt es nach Angaben des Innenministeriums aber noch nicht.
Schäuble vertritt die Ansicht, unschuldige Gefangene aus Ländern, in die sie aus Menschenrechtsgründen nicht zurückkehren können, müssten in den USA bleiben. Zudem pocht er in dieser Frage auf die Zuständigkeit der Innenminister von Bund und Ländern. Unterstützung erhielt er von seinen Ministerkollegen aus den Unions-geführten Ländern.
Erschienen 23. Januar 2009 bei http://www.reuters.com.
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