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Ausstellungsbesucher köpft aus Protest Hitler-Wachsfigur

am 06.07.2008 von http://www.reuters.com

Berlin (Reuters) - Aus Protest gegen die Ausstellung Adolf Hitlers im neuen Berliner Wachsfigurenkabinett hat ein Besucher kurz nach der Eröffnung die Figur geköpft.

Der 41-jährige Deutsche sei am Samstag auf die Wachspuppe losgegangen und habe ihr den Kopf abgerissen, sagte ein Polizeisprecher. Rein menschlich gesprochen: Attentat geglückt. Der Bild am Sonntag sagte der Mann, es habe ihn vor allem gestört, dass die Hitler-Figur so dicht am Jüdischen Museum aufgestellt worden sei. Er stehe politisch eher links, sei aber kein Extremist. Ich habe es besonders genossen, dass Willy Brandt dabei zugesehen hat, fügte er mit Verweis auf Brandts Wachsfigur hinzu, der vor den Nazis ins Exil hatte fliehen müssen.

Die Polizei nahm den Mann aus dem Stadtteil Kreuzberg vorübergehend fest. Er hat keinen Widerstand geleistet, sagte der Sprecher. Gegen den Berliner, der der Polizei wegen Kleindelikten wie Schwarzfahren bekannt sei, werde wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung ermittelt.

Um die Puppe zu erreichen, stieß der Mann laut Polizei zwei Sicherheitsmänner vor der Ausstellungsfläche zur Seite und verletzte einen leicht. Am Samstagnachmittag wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Zeitung sagte der Mann, es tue ihm leid, dass bei dem Übergriff einer der Wachmänner verletzt worden sei. Es sei nicht seine Absicht gewesen.

Bei dem Mann handelt es sich nach Medienberichten um einen ehemaligen Berliner Polizisten. Er habe vor Jahren den Dienst quittiert, weil er nach einer Demonstration zum 1. Mai in Kreuzberg festgestellt habe, dass er auf die andere Seite gehöre, berichtete die Berliner Morgenpost unter Berufung auf das persönliche Umfeld des Mannes. Die Tat war offenbar eine Einzelaktion. Er habe keine Unterstützer gehabt, sagte der Kreuzberger dem Sender Spiegel TV laut Vorabbericht.

Die Ausstellung Hitlers im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds an der Straße Unter den Linden, der Hauptachse zum Brandenburger Tor, war in den vergangenen Wochen mehrfach kritisiert worden. Gegner halten es für unangemessen, den Diktator, der für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verantwortlich ist, neben Popstars, Politikern und Sportlern zu präsentieren.

Hitler wurde gezeigt, wie er gegen Kriegsende hinter einem Schreibtisch im sogenannten Führer-Bunker sitzt. Die Figur durfte nicht berührt werden und war mit einer Kordel abgesperrt, so dass sich Besucher nicht neben dem Hitler-Modell fotografieren lassen können. Rund 20 Mitarbeiter waren vier Monate lang damit beschäftigt, die Wachsfigur zu bilden.

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