Ausstellung Flucht, Vertreibung, Integration klammert das Thema Massenvergewaltigungen aus
am 11.04.2006 von http://menschenrechte.blogg.de/
Haus der Geschichte ignoriert Massenvergewaltigungen
In knapp einer Woche, am Ostermontag, geht im Bonner Haus der Geschichte die große Ausstellung Flucht, Vertreibung, Integration zu Ende.
Die Schau hat in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit gefunden, und die Ausstellungsmacher verweisen stolz auf stattliche Besucherzahlen. Doch was die Verantwortlichen gerne verschweigen: Es hat hinter den Kulissen auch massive Kritik und Protest gegeben. Der Grund: ein wichtiger Themenkomplex fehlt in der Ausstellung, nämlich die historisch belegte Tatsache, dass Frauen während Flucht und Vertreibung zu Hunderttausenden vergewaltigt wurden - dies übrigens auf allen Seiten der Fronten. Viele tausend Frauen sind in Folge dieser Gewalt ums Leben gekommen. Wenn sie verletzt überlebten, waren sie schwer traumatisiert, ebenso wie ihre Kinder, die oftmals Zeugen des schrecklichen Geschehens werden mussten.
All dies wird in der Ausstellung des Hauses der Geschichte - immerhin in Trägerschaft der Bundesrepublik Deutschland und mit erheblichen öffentlichen Mitteln finanziert - schlicht totgeschwiegen. medica mondiale hatte gegen diesen Skandal schon früh bei den Ausstellungsmachern protestiert und Nachbesserungen gefordert.
Auch prominente Intellektuelle schlossen sich der Kritik mittlerweile an: Zum Beispiel die Psychoanalytikerin Prof. Margarete Mitscherlich, der Arzt und Psychoanalytiker Prof. Horst Eberhard Richter, die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süßmuth und die ehemalige FDP-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Auch Historikerinnen zeigten sich empört, dass ein solch wichtiges Thema einfach ignoriert wurde. So verwies zum Beispiel die renommierte Historikerin Prof. Margarete Dörr in einem Protestbrief darauf, dass dies eine weitere Diskriminierung der damaligen Opfer darstelle, die oft ihr Leben lang nicht über die schrecklichen Erlebnisse sprechen …
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