Jugendgewalt Statistik: BKA-Statistik: Jugendgewalt nimmt dramatisch ab!
beck-blog | 18. Mai 2010 — Anders als in den vergangenen Jahren müssen die Journalisten enttäuscht sein: Außer einem Anstieg von KfZ-Diebstählen (und eine…
Die Gewaltkriminalität jugendlicher Straftäter mit Migrationshintergrund oder nichtdeutscher Staatsangehörigkeit ist wegen einzelner spektakulärer Fälle in den letzten Wochen in das Blickfeld von Öffentlichkeit und Politik geraten. Die Intensität dieser Kriminalität, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung, insbesondere durch das Jugendstrafrecht, sollen nachfolgend erörtert werden.
Die „Polizeiliche Kriminalstatistik 2006“ weist eine überproportional hohe Kriminalitätsbelastung Nichtdeutscher gegenüber Deutschen aus. Die tatsächliche Belastung von hier lebenden Nichtdeutschen im Vergleich zu Deutschen ist jedoch nicht bestimmbar. Das doppelte Dunkelfeld1 in der Bevölkerung und in der Kriminalstatistik (d.h. die jeweils unbekannte Zahl der unregistrierten Ausländer und der unregistrierten Straftaten), der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur stehen einem wertenden Vergleich entgegen.
Prinzipiell ist die sog. Ausländerkriminalität – wie auch die Gesamt- und Jugendkriminalität – in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. In der Gewaltkriminalität Jugendlicher lässt sich jedoch – wie auch in der Gesamtgewaltkriminalität – ein Anstieg beobachten. Auch fallen Jugendliche ohne deutsche Staatsangehörigkeit häufiger wegen Gewaltdelikten auf als deutsche Jugendliche. Der Anstieg der registrierten Fallzahlen in der Gruppe der Tatverdächtigen im Alter von 14 bis unter 21 Jahren bedeutet aber nicht zwangsläufig einen tatsächlichen Anstieg der Gewaltkriminalität.
Auch kriminologische Studien wie die des Kriminologischen Instituts für Niedersachsen e.V. (KfN) stellen tendenziell einen Rückgang des kriminellen Verhaltens Jugendlicher fest. Allerdings ist die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft signifikant höher als die von deutschen Jugendlichen. Ursachen hierfür sind hauptsächlich soziale Benachteiligung, geringer Bildungsstand und die Erfahrung familiärer Gewalt.
Das Jugendstrafrecht verfolgt mit seinem Erziehungsgedanken einen grundsätzlich anderen Ansatz als das allgemeine Strafrecht. Im Zuge der Diskussion um die Gewaltkriminalität bei Jugendlichen werden einerseits eine Ausweitung des jugendstrafrechtlichen Instrumentariums und eine Verschärfung von Sanktionen gefordert. Andererseits werden solche Reformen abgelehnt und die Möglichkeiten des gegenwärtigen Jugendstrafrechts als ausreichend erachtet. Stattdessen wird eine größere Beachtung der Prävention gefordert, um Jugendkriminalität wirksam bekämpfen zu können. (…)
Quelle: Bundestag vom 01.02.2008
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