“Ausgebrannt” - Wenn der Welt das Öl ausgeht
Obwohl ich es jährlich immerhin noch auf ca. 40 Romane bringe, die ich so zwischendurch lese, hatte ich bislang noch nichts von
Andreas Eschbach gelesen, der durch Werke wie “Das Jesus Video”, “Eine Billion Dollar” oder “Der Nobelpreis” bekannt geworden ist.
“Ausgebrannt” heißt sein neuestes, im Gustav Lübbe Verlag erschienenes Werk, welches die Geschichte des jungen Deutschen Markus
Westermann erzählt, eines EDV-Spezialisten, der sich in die USA begibt, um dort reich zu werden. WOI und WOM sind die Stichworte, die
er sich hierfür zurecht gelegt hat, “with other peoples ideas” und “with other peoples money” will er sein Geld verdienen, Private
Equity Capital soll´s richten.
Der Zufall will es, dass er den betagten Öltechniker Karl Walter Block kennenlernt, einen Österreicher, der behauptet, unter den
langsam zur Neige gehenden bekannten Ölvorräten der Welt befänden sich noch weitere Lagerstätten unvorstellbaren Ausmaßes und er
verfüge über eine Methode, diese zu finden und zu erschließen. Während es den beiden gelingt, einen vorübergehenden Hype an den
Börsen und im Ölgeschäft auszulösen, versiegt in Saudi Arabien das größte Ölfeld und schlagartig wird offenbar, wie begrenzt die
Welterdölvorkommen tatsächlich sind. Die “Block-Methode” versagt, es kommt zu Unruhen im Nahen Osten, die Amerikaner intervenieren in
Saudi Arabien, die Benzinpreise schießen weltweit in astronomische Höhen und die Weltwirtschaft in ihren aktuellen, vom Öl abhängigen
Strukturen beginnt zusammenzubrechen. Markus Westermann, nach dem zwischenzeitlich in den USA als angeblicher Großbetrüger per
Haftbefehl gefahndet wird, sucht - wie viele andere auch - nach Lösungen.
Eschbachs Roman ist sicher keine große Literatur, dazu sind Thema und sprachliche Darstellung dann doch zu sehr am “main stream”
ausgerichtet, aber spannend liest sich das Ganze und die zahlreichen Facetten, mit denen die Abhängigkeit der Weltwirtschaft und
jedes Einzelnen vom Erdöl dargestellt wird, vermögen in ihrer Gesamtschau durchaus zu faszinieren. Eschbach versteht es, den Leser in
Atem zu halten, man will einfach wissen, wie´s mit dem Schicksal der Romanfiguren weitergeht und ist neugierig zu erfahren, ob ein
Weg aus der Ölkrise gefunden wird.
Haruki Murakami, Pascal Mercier, Jorge Volpi und einige andere Autoren, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, sind literarisch
deutlich höher einzustufen, aber Eschbachs Roman war durchaus kurzweilig zu lesen und ich hatte nie das Bedürfnis, ihn aus der Hand
zu legen.