Kameras sind nicht böse
Datenschutzbeauftragter Online | 27. Juni 2008 — Der zweite Teil meines Freitags-Kommentars, als eigener Artikel. Ich sage hier laut und offen was sich keiner zu sagen traut: K…
In letzter Zeit finde ich immer häufiger Vergleiche dieser Art in Diskussionen vor:
Du gehst ja auch sonst auf die Strasse - ob dich nun ein Passant beobachtet (was dich nie störte) oder eine Kamera, das macht nun keinen Unterschied.
Ich denke, man sollte dem Argument Respekt zollen und es analysieren. Natürlich widerspreche ich dem, doch habe ich etwas mehr zu bieten als nur “Unsinn”. Und ich hoffe, damit wieder für ein bisschen Diskussion und Nachdenken zu sorgen.
In der Tat wird man, wenn man unterwegs ist, von anderen Menschen beobachtet. Eventuell sieht man sogar jeden morgen in der Straßenbahn den gleichen anderen Mitfahrer, der irgendwann genau weiß, wo man einsteigt und bis wo man fährt, evt. sogar wo man arbeitet und wie man heißt. Verbieten kann und will ich sowas nicht - warum auch? Das ist zwischenmenschlicher Alltag.
Kameras aber sind das nicht, denn Augen haben wir nun mal von Geburt an im Kopf, Kameras nicht. Wir beobachten uns alle untereinander, wenn wir uns sehen, aber eben nicht mit Kameras - und den damit verbundenen Möglichkeiten.
Das wichtigste bei Kameras ist die Möglichkeit der Speicherung: Lückenlos kann das gesamte äußere Verhalten einer Person festgehalten und nachvollzogen werden. Die Tatsache, dass es nicht immer getan wird, verdeutlicht nur das Problem - denn man selber weiß nicht, ob da nun eine Speicherung stattfindet. Und falls ja, weiß man nicht, wie lange gespeichert wird, wer Zugriff hat und was man damit tut.
Anders als bei einer Person die mich beobachtet, bei der ich im Regelfall sogar sehe ob sie mich beobachtet, bin ich der Kamera hilflos ausgeliefert: Ich weiß nicht, ob sie “nur” beobachtet oder auch speichert. Mir ist nicht klar, ob damit triviale “Verstöße” ans Tageslicht geführt werden; Beispiele: Schulkind schreibt Hausaufgaben ab und wird dabei erfasst, man wirft im Einkaufsladen ein Taschentuch auf den Boden oder stellt etwas aus einem Regal genommenes wieder an falscher Stelle (kurz vor der Kasse) zurück.
Das Problem bei den Kameras ist nicht, dass sie beobachten - das tut in der Tat jeder andere Mensch auch. Es hierauf aber zu reduzieren heißt, das Thema zu verharmlosen. Die so genannte Kameraüberwachung lebt von der Ungewissheit der Betroffenen: Wird man nun beobachtet oder nicht? Wird man angesprochen wenn man etwas “falsches” macht oder nicht?
Jeder sollte es als deutliches Symbol sehen, dass die Überwacher selbst nicht überwacht werden möchten: Zunehmend setzen zwar Einkaufsläden auf Kameras, stellen aber zunehmend auch Hinweisschilder auf, dass man als Kunde selber im Laden keine Fotos machen darf. Die Gründe sind vielfältig und sogar verständlich, die Frage ist nur, warum man dann die Kameras der Einkaufsketten noch rechtfertigen will.
Das wichtigste bei der Unterscheidung ist am Ende also die Möglichkeit der Speicherung und Zusammenführung……
» Vollständiger ArtikelErschienen 12. Juni 2008 auf http://www.datenschutzbeauftragter-online.de.
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