Auch DFB-Schiedsrichter in Wettskandal unter Verdacht

Berlin (Reuters) - Der neue Fußball-Wettskandal weitet sich aus.

Nach einem "Spiegel"-Bericht ist darin möglicherweise auch ein Schiedsrichter des Deutschen Fußballbundes (DFB) verwickelt. Bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai solle er von den mutmaßlichen Wettbetrügern Schmiergeld kassiert haben, berichtete das Magazin am Samstag vorab. Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International forderte Konsequenzen aus dem neuerlichen Manipulationsskandal.

Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am Freitag Ermittlungen gegen eine internationale Bande wegen des Verdachts des Betrugs und der Manipulation von rund 200 Fußballspielen bekanntgegeben. Betroffen seien unter anderem drei Partien der Champions League, zwölf Spiele der Europa League und vier Spiele der 2. Fußball-Bundesliga. 15 Personen wurden in Deutschland festgenommen. Der europäische Fußballverband Uefa sprach vom größten Betrugsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs. Die Ermittler nannten allerdings keine Namen von Vereinen und Spielern.

Betroffen sein soll unter anderem der SSV Ulm. Nach Informationen des "Spiegel" stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. Die Fahnder gehen auch Vorwürfen gegen den aus der zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück nach. Die Wettbetrüger sollen hier drei Spiele manipuliert oder dies zumindest beabsichtigt haben.

DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte, sein Verband habe geglaubt, durch das nach dem vorherigen Wettskandal installierte Vorwarnsystem die Manipulationsmöglichkeiten weitestgehend ausschalten zu können. "Ich will jetzt noch nicht sagen: Es hat versagt. Ich glaube das wäre zu früh. Aber wir müssen mal gucken, warum wir nicht gewarnt worden sind", sagte er. Bereits am Freitag hatte Zwanziger zugesagt, DFB und Ligaverband würden sich an einer lückenlosen Aufklärung der Verdächtigungen beteiligen. Zunächst gelte aber die Unschuldsvermutung.

TRANSPARENCY FORDERT UMDENKEN IM FUSSBALL

Die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Sylvia Schenk, forderte eine "Null-Toleranz-Haltung" gegenüber derlei Betrügereien. Notwendig seien Strafgesetze, Kontrollen, Frühwarnsysteme, damit es den Tätern so schwer wie möglich gemacht werde, sagte die Korruptionsbekämpferin im Deutschlandradio Kultur. Darüber hinaus müsse auch über die Moral und das Unrechtsbewusstsein bei Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären gesprochen werden. Korruption gelte immer noch als Kavaliersdelikt. "Wenn so viele Spiele manipuliert wurden, haben sehr viele aus dem Sport mitgemacht."

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lehnte Gesetzesverschärfungen ab. Die Verurteilungen im Wettskandal 2005 zeigten, "dass auch auf der Basis des geltenden Rechts Manipulationen und Betrugsvorwürfe im Sport sachgerecht geahndet werden können", sagte sie dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Die Fahnder ermitteln seit Januar gegen eine international agierende Bande, der fortgesetzte gewerbsmäßige Wettbetrügereien zur Last gelegt werden. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus europäischen Fußball-Ligen gegen Bezahlung dazu gebracht zu haben, den Ausgang von Spielen zu manipulieren und dies für Wettbetrügereien ausgenutzt zu haben.

Der Skandal weckt Erinnerungen an den Fall des ehemaligen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer. Er hatte eingeräumt, 2004 rund 67.000 Euro für manipulierte Spiele erhalten zu haben.



Quelle: Reuters (22. November 2009)

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Themen: Deutschland , Berlin , Germany , Uefa , Legislation , Western Europe , Europe , German General News , Crime; Law Enforcement , German Equities , Switzerland , Financials , Manipulation , Spiele , Transparency International , Wettskandal , Hungary , Turkey , Champions League , Eastern Europe , Soccer , Leisure Facilities , Industrial Conglomerates (industry)

Erschienen 22. November 2009 bei http://www.reuters.com.

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