Atommüll-Fässer aus maroder Asse sollen geborgen werden

Hannover (Reuters) - Rund 126.000 Fässer Atommüll sollen aus dem maroden Schacht Asse bei Salzgitter wieder an die Oberfläche geholt werden.

"Die derzeit beste Variante ist die Rückholung", sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, am Freitag in Hannover. Die Bergung der mittel- und schwachradioaktiven Abfälle aus den einsturzgefährdeten Schächten des ehemaligen Salzbergwerk solle möglichst schnell beginnen. "Wir sind gefordert, sofort loszulegen", erklärte König. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nannte die Bergung die bevorzugte Variante. Der Zustand von Fässern und Schacht müsse dies aber erlauben. Der ehemalige Umweltminister und jetzige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel verlangte, die milliardenschweren Kosten der Rückholung der Atomindustrie in Rechnung zu stellen.

Das BfS als Betreiber der Schachtanlage hatte als Schließungsoptionen für die Asse auch die Füllung des Bergwerks mit Beton und einer Magnesiumchloridlösung sowie die Umlagerung der Fässer auf tiefere Schichten geprüft. Bei diesen Varianten sei aber nicht garantiert, dass langfristig keine Radioaktivität freigesetzt werde, sagte der BfS-Chef.

AUCH PLUTONIUM IN DER ASSE GELAGERT

Zunächst sollen nun einige Lagerkammern geöffnet sowie Zustand und Inhalt der Fässer untersucht werden. "Wir können derzeit nicht genau bestimmen, welche Abfälle in welchen Mengen in der Asse liegen", sagte König. Neben dem Müll aus dem Betrieb von Atomkraftwerken sollen in dem Bergwerk auch 28 Kilogramm hochgiftiges Plutonium sowie Arsen, Blei, Pflanzenschutzmittel und sogar Tierkadaver lagern. Mit Betonbarrieren und der Verfüllung von Hohlräumen soll das Bergwerk, in das täglich 12.000 Liter Wasser unbekannter Herkunft eindringen, auch stabilisiert werden.

Der Behördenchef schloss nicht aus, dass nach Öffnung der Kammern neu über den Umgang mit dem Atommüll entschieden werden müsse: "Das kann sich alles noch viel schlechter darstellen, als wir derzeit vermuten." Die geborgenen Fässer sollen zunächst vor Ort über Tage zwischengelagert werden. Später könnte der Müll dann in den Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden. Das ehemalige Eisenerzbergwerk ist als Endlager für schwach- mittelradioaktive Abfälle genehmigt und soll 2013 in Betrieb gehen. Für die gesamte Rückholung veranschlagt das BfS rund zehn Jahre und rechnet mit Kosten von rund zwei Milliarden Euro.

Umweltminister Röttgen betonte in der "Braunschweiger Zeitung", die Öffnung der Kammern sei auch der Wunsch der Betroffenen vor Ort. Um die Risiken zu minimieren, müssten alle verfügbaren Erkenntnisse berücksichtigt werden. Ein endgültige Entscheidung über die Rückholung steht damit nach Angaben des Ministeriums noch aus.

Röttgens Vorgänger Gabriel kritisierte, die Asse habe ausschließlich den Interessen der Atomindustrie gedient. Diese habe durch eine skandalöse Atommüllentsorgung Milliardengewinne gescheffelt. Deshalb müssten die Stromkonzern jetzt auch die Sanierungskosten für den Schacht zahlen.



Quelle: Reuters (15. Januar 2010)

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Erschienen 15. Januar 2010 bei http://www.reuters.com.

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