Arbeitszeit in der Reha-Klinik

Bei einer Reha-Klinik beträgt die durchschnittliche regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit 38,5 Stunden, wenn die Klinik ein sonstiges Krankenhaus im Sinne von § 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b bb TV-L ist.

Im hier vom Bundesarbeitsgericht entschiedenen Fall hat der Kläger auf Feststellung geklagt, dass seine durchschnittliche regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit 38,5 Stunden beträgt. Für den Kläger gilt gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b bb TV-L dieses Stundenmaß. Die Reha-Klinik, die sich selbst als Fachklinik für Pneumologie (Atemwegserkrankungen), Orthopädie (Erkrankungen des Bewegungsapparates) und Dermatologie (Erkrankungen der Haut) bezeichnet, ist ein sonstiges Krankenhaus im Sinne dieser Tarifvorschrift. Dies ergibt die Auslegung des Begriffs „sonstiges Krankenhaus“ in § 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b bb TV-L.

§ 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b bb TV-L spricht u.a. von Beschäftigten an Universitätskliniken, Landeskrankenhäusern und sonstigen Krankenhäusern. Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch ist ein Krankenhaus das Gebäude, in dem sich Kranke (längere Zeit) zur Untersuchung und Behandlung aufhalten. Dies trifft auf die Reha-Klinik L in B zu. Es werden in dieser Klinik durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistungen Krankheiten, Leiden oder körperliche Schäden der Patienten festgestellt, geheilt oder gelindert.

Allerdings findet sich eine Definition des Begriffs „Krankenhaus“ auch in § 2 Nr. 1 Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) und in § 107 Abs. 1 SGB V. Nach § 2 Nr. 1 KHG sind Krankenhäuser Einrichtungen, in denen durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten, Leiden oder Körperschäden festgestellt, geheilt oder gelindert werden sollen oder Geburtshilfe geleistet wird und in denen die zu versorgenden Personen untergebracht und verpflegt werden können. Für den Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung definiert § 107 Abs. 1 SGB V den Begriff des Krankenhauses. Danach sind Krankenhäuser Einrichtungen, die

der Krankenhausbehandlung oder Geburtshilfe dienen, fachlich-medizinisch unter ständiger ärztlicher Leitung stehen, über ausreichende, ihrem Versorgungsauftrag entsprechende diagnostische und therapeutische Möglichkeiten verfügen und nach wissenschaftlich anerkannten Methoden arbeiten, mit Hilfe von jederzeit verfügbarem ärztlichem, Pflege-, Funktions- und medizinisch-technischem Personal darauf eingerichtet sind, vorwiegend durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten der Patienten zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten, Krankheitsbeschwerden zu lindern oder Geburtshilfe zu leisten, und in denen die Patienten untergebracht und verpflegt werden können. Damit knüpft § 107 Abs. 1 SGB V zwar an den Krankenhausbegriff des § 2 Nr. 1 KHG an, ergänzt ihn jedoch durch organisatorische und funktionelle Kriterien.

Aus dem Wortlaut der Regelung in § 6 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b bb TV-L lässt sich kein Anhaltspunkt dafür entnehmen, …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Bundesarbeitsgericht , Rehabilitation , Arbeitszeit , Tarifvertrag , Krankenhaus , öffentlicher Dienst , Tv-l
Rechtsgebiet: Arbeitsrecht

Erschienen 28. Juli 2011 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Auch bei Ess-Störungen keine freie Klinik- und Therapie-Wahl

Recht und Alltag | 24. Mai 2006 — Der nachträglichen Kostenerstattung selbst gewählter und selbst beschaffter Behandlungen sind in der Renten- wie in der Krank…

Nächtlicher Bereitschaftsdienst im Krankenhaus

Rechtslupe | 28. April 2011 — Bereitschaftsdienststunden, die in kommunalen Krankenhäusern in der Zeit zwischen 21:00 Uhr und 6:00 Uhr geleistet werden, sind…

Umsatzsteuer Pflegedienste Privat: Steuerrecht: Umsatzsteuerbefreiung bei Betreuung oder Pflege für hilfsbedürftige Personen

Meyer-Köring v.Danwitz | 10. Oktober 2009 — Durch die Neufassung des § 4 Nr. 16 UStG zum 01. Januar 2009 (n.F.) werden die in § 4 Nr. 16 Buchst. d und e UStG der bis zum 3…

Tarifvertrag Werkfeuerwehr: Arbeitszeit der Werkfeuerwehr

Rechtslupe | 1. September 2010 — § 7 Abs. 2a ArbZG lässt tarifliche Regelungen zu, nach denen die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden dauern…

Krankenhausrecht: Klage auf Vergütungsanspruch eines Krankenhauses; Zuständigkeit des Gerichts am Sitz des Krankenhauses

Meyer-Köring v.Danwitz | 2. März 2012 — Bei einem Krankenhausaufnahmevertrag ergibt sich aus der Natur des Schuldverhältnisses im Sinne des § 269 Abs. 1 BGB ein einhei…

Stundenreduzierung Mitbestimmung: Mitbestimmung bei Verkürzung der Arbeitszeit

LohnPraxis-Weblog | 3. April 2007 — Wenn Sie in Ihrem Unternehmen mit den Mitarbeitern eine einvernehmliche Verringerung der vertraglichen Arbeitszeit vereinbart h…

Steuerrecht: BFH: Aufgabe der restriktiven Rechtsprechung - Steuerfreie Leistungen eines Orchestermusikers gegenüber seinem Orches…

Meyer-Köring v.Danwitz | 30. April 2010 — Mit Urteil vom 18. Februar 2010 (V R 28/08) hat der BFH entschieden, dass auch einzelne Musiker umsatzsteuerfreie Leistungen er…

Keine Diskriminierung bei tariflicher Funktionszulage in der Teilzeitarbeit

anwalt-kiel.com | 18. März 2009 — Das Bundesarbeitsgericht - 10 AZR 338/08 - hat entschieden, dass nach § 4 Abs. 1 Satz 2 des Gesetzes über Teilzeit und befristete …

Personalgestellungsvertrag: Umsatzsteuerfreie Personalgestellung durch ein Krankenhaus

Blickpunkt Recht & Steuern | 22. März 2006 — Die Personalgestellung durch ein Krankenhaus an eine Arztpraxis kann nach einem jetzt veröffentlichten Urteil des Bundesfinanzh…

Telekom Weihnachtsgeld: Weihnachtsgeld f??r Telekom-Beamte

Rechtslupe | 11. Dezember 2008 — Die Streichung des Weihnachtsgeldes f??r Telekom-Beamte ist nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts verfassungswidrig, weswe…