Arbeitnehmerschmerzensgeld bei Katzenbiss?
Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin Blog | 29. September 2009 — Kann der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber Schmerzensgeld verlangen, wenn dieser während der Arbeit verletzt wird, z.B. weil er vo…
Wird die Mitarbeiterin einer Tierklinik während der Behandlung eines Tieres von diesem verletzt, ist dies nach Überzeugung des Hessischen Landesarbeitsgerichts ein Arbeitunfall.
Hintergrund des hessischen Rechtsstreits war die Behandlung einer Katze in einer Tierarztklinik. Die Klägerin arbeitete dort als Hilfstierpflegerin. Sie wurde von einem Kater, der untersucht und kastriert werden sollte, in die linke Hand gebissen. Eine Infektion verkomplizierte den Heilungsprozess, so dass der Mitarbeiterin eine Prothese eines Fingermittelgelenks eingesetzt werden musste. Sie leidet noch heute erheblich unter den Folgen der Bissverletzung und verlangte von ihrem Arbeitgeber nun unter anderem die Zahlung von Schmerzensgeld.
Ein solcher Schmerzensgeldanspruch gegen den eigenen Arbeitgeber ist aber nach § 104 Abs. 1 Satz 1 SGB VII grundsätzlich ausgeschlossen, soweit es sich um einen Arbeitsunfall handelt. Durch diese Vorschrift wird der Arbeitgeber in weitem Umfang von der Haftung freigestellt, quasi als Gegenleistung dafür, dass die Beiträge für die Berufsgenossenschaften, also zu der für alle Arbeitnehmer verpflichtenden gesetzlichen Unfallversicherung, von den Arbeitgebern alleine getragen werden müssen und nicht, wie sonst in der Sozialversicherung üblich, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geteilt werden.
Bereits das erstinstanzlich mit dem Rechtsstreit befasste Arbeitsgericht Frankfurt am Main hat die Verletzung als Arbeitsunfall angesehen und die Schmerzensgeldklage der Tierpflegerin abgewiesen. Die von der Tierpflegerin hiergegen eingelegte Berufung blieb beim Hessischen Landesarbeitsgericht jedoch ebenfalls erfolglos.
Denn auch nach dem Urteil des Hessischen Landesarbeitsgerichts kann sie nicht die Zahlung eines Schmerzensgeldes von ihrem Arbeitgeber verlangen. Ihrem Begehren stehe § 104 Abs. 1 Satz 1 SGB VII entgegen, der bei Arbeitsunfällen – wie dem hier unstreitig vorliegenden – dem geschädigten Arbeitnehmer nur dann einen Schadensersatz – bzw. Schmerzensgeldanspruch unmittelbar gegen den Arbeitgeber zubillige, wenn dieser den Schaden vorsätzlich herbeigeführt habe.
Grund dieser Haftungsbeschränkung sei, dass an die Stelle der privatrechtlichen Haftung bei Arbeitsunfällen die sozialversicherungsrechtliche Gesamthaftung der Berufsgenossenschaft trete. Dadurch stehe dem Geschädigten einerseits stets ein solventer Anspruchsverpflichteter zur Verfügung, andererseits würden Konfliktsituationen im Betrieb durch zivilrechtliche Haftungsfragen vermieden. Obwohl dadurch auch ein Anspruch auf Schmerzensgeld ausgeschlossen sei und die gesetzliche Unfallversicherung dies nur teilweise kompensiere, sei diese zivilrechtliche Haftungsbeschränkung verfassungskonform.
Auch wenn anzuerkennen sei, so das Landesarbeitsgericht in seiner Urteilsbegründung weiter, dass sich die Mitarbeiterin in einer schwierigen persönlichen Situation befinde, sei nicht …
» Vollständiger ArtikelErschienen 1. September 2009 auf http://www.rechtslupe.de.
Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin Blog | 29. September 2009 — Kann der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber Schmerzensgeld verlangen, wenn dieser während der Arbeit verletzt wird, z.B. weil er vo…
Handakte WebLAWg | 1. September 2009 — Nach einer Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts kann die Mitarbeiterin einer Tierarztklinik, die während der Behan…
Rechtslupe | 15. Oktober 2009 — Wer als Radfahrer auf dem Heimweg von der Arbeit einem Autofahrer den Weg versperrt, um ihn wegen eines vermeintlichen Verkehrs…
Rechtslupe | 8. September 2009 — Die Verletzung eines Geschäftsführers bei einer Abfahrt auf der Rodelbahn während einer Seminarwoche ist kein Arbeitsunfall. Mi…
Rechtslupe | 23. März 2010 — Mit einer ungewöhnlichen Konstellation hatte sich jetzt das Sozialgericht Aachen zu befassen: Die Kfz-Haftpflichtversicherung e…
Rechtslupe | 13. Juli 2009 — Die Anerkennung eines Bandscheibenvorfalls als Folge eines Arbeitsunfalls kommt nach Ansicht des Sozialgerichts Düsseldorf nur …
Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin Blog | 4. Juli 2009 — Arbeitsunfall- Wann muss der Arbeitgeber zahlen? Als Arbeitnehmer möchte man abgesichert sein. Dies gilt vor allem, wenn …
Recht und Alltag | 28. September 2007 — Schwarzarbeiter, die während einer eigentlich sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einen Arbeitsunfall erleiden, haben …
BLEIL | 10. Juni 2011 — Das Sozialgericht Lüneburg hat mit Urteil vom 9. Dezember 2010 (Az.: S 2 U 99/10) entschieden, dass ein Tierhalter, der einem Tier…
Rechtslupe | 4. Mai 2011 — Das Hessische Landesarbeitsgericht hat einen Arbeitgeber zur Zahlung einer Entschädigung von 7.000 € verurteilt, weil er eine …