Arbeitsrechtler zum Fall Sarrazin

Der Antrag der Bundesbank auf Entlassung ihres Vorstandsmitglieds Sarrazin, der jetzt dem Bundespräsidenten zur Entscheidung vorliegt, hat in den Medien und in der Öffentlichkeit ein gemischtes Echo hervorgerufen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie namhafte Arbeitsrechtler über den Fall denken. Zwar wird man Herrn Sarrazin im Hinblick auf seine Position als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank nicht als Arbeitnehmer einstufen können. Gleichwohl gibt es hier einige Parallelen und einige bewährte Grundsätze des Arbeitsrechts, über deren Übertragung auf den Fall Sarrazin man schon nachdenken könnte. Dies haben jetzt auch einige Arbeitsrechtler getan. So kommt beispielsweise der Fachanwalt für Arbeitsrecht Christian Oberwetter unter Hinweis auf den hohen Rang der Meinungsfreiheit zu dem Ergebnis, dass nach rechtsstaatlichen Grundsätzen wenig Aussichten bestehen, Sarrazin seines Postens zu entheben. Ähnlich äußert sich Ulrich Fischer, ebenfalls Fachanwalt für Arbeitsrecht: Sarrazin bewege sich bislang "verfassungsrechtlich im grünen Bereich". Auch Volker Rieble, Professor für Arbeitsrecht an der Uni München, sagt, rechtlich könne man es nicht einmal als Rassismus bewerten, wenn Sarrazin Juden ein "bestimmtes Gen" attestiere. "Er hat damit ja keine bestimmte, negative Eigenschaft verbunden", sagt Rieble. Und so lange sich Sarrazin nicht strafrechtlich schuldig mache, könne er in seiner Freizeit machen, was er will. Auch das Argument, Sarrazin habe den Betriebsfrieden ernsthaft beeinträchtigt, lässt Rieble nicht gelten. In einer Fabrik könnte man schauen, wie gut die Fließbandarbeit noch funktioniert, wenn ein umstrittener Kollege Schicht hat. In d…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Bundesbank , Meinungsfreiheit , Fabrik , Juden , Sarrazin , Entlassung
Rechtsgebiet: Arbeitsrecht

Erschienen 5. September 2010 auf http://www.blog.beck.de/blog.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bundesbank distanziert sich von Sarrazin - Entscheidung vertagt

Reuters | 30. August 2010Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank hat sich von ihrem wegen Äußerungen über Ausländer und Juden in die Kritik geratenen Vor…

Axel Weber Jude: Zentralrat der Juden: Bundesbank-Rüge an Sarrazin reicht nicht

Reuters | 31. August 2010Frankfurt (Reuters) - Dem Zentralrat der Juden in Deutschland geht die Rüge der Bundesbank für ihr wegen seiner Thesen zu Migra…

Sarrazin und die Sache mit dem Arbeitsrecht

De legibus | 7. September 2010 — Es ist erstaunlich, welchen Dreh die Medienberichterstattung zum Fall Sarrazin bekommt, soweit es einmal um juristische Fragen …

Zentralrat der Juden: Bundesbank muss Sarrazin entlassen

Reuters | 31. August 2010 — Frankfurt/Berlin (Reuters) - Der Zentralrat der Juden in Deutschland legt der Bundesbank eine Trennung von ihrem umstrittenen …

Bundesbank will Sarrazin vorerst nicht abberufen lassen

Reuters | 30. August 2010Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank will ihren umstrittenen Vorstand Thilo Sarrazin vorerst noch nicht abberufen lassen. Der…

Regierung: Sarrazin bei Entlassung ohne Anspruch auf Abfindung

Reuters | 9. September 2010Berlin (Reuters) - Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat bei einer Entlassung nach Angaben der Bundesregierung keinen Anspruch…

Zentralrat der Juden fordert Entlassung von Sarrazin

Reuters | 31. August 2010 — Frankfurt/Berlin/Hildesheim (Reuters) - Der Zentralrat der Juden in Deutschland legt der Bundesbank eine Trennung von ihrem ums…

Bundesbank-Sprecher: Entscheidung zu Sarrazin nicht mehr heute

Reuters | 1. September 2010Frankfurt (Reuters) - Der Streit um die berufliche Zukunft Thilo Sarrazins bei der Bundesbank zieht sich. Wie ein Sprecher de…

Wulff legt Bundesbank indirekt Trennung von Sarrazin nahe

Reuters | 2. September 2010Berlin (Reuters) - Bundespräsident Christian Wulff hat der Bundesbank indirekt den Rauswurf ihres umstrittenen Vorstandsmitglie…

SPD-Kreisverband beschließt Verfahren gegen Sarrazin

Reuters | 3. September 2010Berlin (Reuters) - Der Berliner SPD-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf hat ein Parteiausschlussverfahren gegen Bundesban…

Der Fall Sarrazin im Arbeitsrecht: Ein Bundesbank-Vorstand schafft sich (nicht) ab

Pünktlich zur Buchveröffentlichung Sarrazins ist ganz Deutschland in einer Art geistigem Ausnahmezustand. Darf ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ein Buch über die Zukunft der...


Kollege Sarrazin: Juristen warnen Bundesbank vor Rausschmiss

Bundesbank-Chef Weber und seine Vorstände stecken in der Klemme: Ihr Kollege Sarrazin scheint untragbar, die Politik drängt auf seine Abberufung. Trotzdem zögern sie - aus gutem Grund. Laut Arbeitsrechtlern ist eine Entlassung juristisch nicht durchsetzbar.