Anwaltsauto abgeschleppt

Ein Autofahrer, der auf einem Behindertenparkplatz parkt, hat die Abschleppgebühren auch dann zu zahlen, wenn noch ein weiterer Behindertenparkplatz frei ist und es der Parkraumüberwacherin durchaus möglich wäre, den Halter des Fahrzeuges zum Wegfahren aufzufordern. Dies hat das Verwaltungsgericht Neustadt mit Urteil vom 13. September 2011 (Aktenzeichen 5K 369/11. NW, 5K 369/11) entschieden.

Der betroffene Autofahrer, ein Rechtsanwalt, parkte direkt vor dem Amtsgericht auf einem von zwei Behindertenparkplätze. Der andere Behindertenparkplatz war noch frei. Am Auto des Anwalts war dessen Telefonnummer angebracht. Die Parkraumüberwacherin sah das Auto und versuchte nach eigenen Angaben, den Autofahrer zu erreichen, indem sie in dessen Büro anrief und sogar die im Amtsgericht ausgehängten Termine überprüfte. Als dies nach Angaben der Parkraumüberwacherinnen nicht zum Erfolg führte, ließ diese das Auto abschleppen, wofür ein Betrag in Höhe von 100 € nebst Verwaltungsgebühren in Rechnung gestellt wurde.

Rechtsanwalt ärgert sich

Der Rechtsanwalt ging gegen diesen Kostenbescheid gerichtlich vor. Er argumentierte, dass die Parkraumüberwacherin in Wirklichkeit nicht bei ihm angerufen habe und im Übrigen „hinterhältig“ gehandelt habe. Außerdem hätten Kollegen des Rechtsanwalts die Parkraumüberwacherin - als das abschleppt Fahrzeug bereits anwesend gewesend war - darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Fahrer im Amtsgericht befinde. Der Rechtsanwalt argumentierte weiterhin, dass die Behindertenparkplätze seit Jahren von Kollegen gelegentlich benutzt werden. Dabei sei es noch nie zu Problem bekommen. Es sei noch nie ein Auto abgeschleppt worden. Auch seien die Behindertenparkplätze nur äußerst selten belegt. Die Parkraumüberwacherinnen hätten zudem ohne weiteres im Sitzungssaal nach ihm schauen können, um ihn zu bitten, sein Fahrzeug wegzufahren. Außerdem hätte die Parkraumüberwacherin den Einsatz abbrechen müssen, als seine Kollegen sie darauf hinwiesen, dass das Auto einem im Amtsgericht befindlichen Rechtsanwalt gehöre.

Das Verwaltungsgericht ist anderer Ansicht

Grundsätzlich sei das Schild mit dem Behindertenparkplatz ein klares Verbot für alle Verkehrsteilnehmer, welche nicht behindert sind. Dieses Verbot war gut lesbar und konnte ohne weiteres zur Kenntnis genommen werden. Der Rechtsanwalt hatte schließlich auch selber eingeräumt, zu wissen, dass er auf einem Behindertenparkplatz geparkt hat. Dieses Schild enthält auch gleichzeitig ein Wegfahrgebot. Der Rechtsanwalt wäre daher also verpflichtet gewesen, sein Fahrzeug unverzüglich zu entfernen. Für den Fall, dass jemand ein Wegfahrgebot nicht beachtet, ist die Behörde berechtigt, das falsch geparkte Fahrzeug anstelle des eigentlich dazu verpflichteten Halters oder Fahrers mit eigenen Mitteln zu entfernen. Die Behörde darf das Fahrzeug also quasi stellvertretend für den eigentlich verpflichteten Fahrer von dem Behinderten…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Telefonnummer , Neustadt
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 30. Oktober 2011 auf http://www.kanzlei-honsel.de/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Keine Gnade für Falschparker

LawBlog | 19. September 2011 — Parkt ein Autofahrer auf einem von mehreren öffentlichen Behindertenparkplätzen, kann er auch dann abgeschleppt werden, wenn di…

Falschparken-ludwigshafen: Falschparker auf Behindertenparkplatz – Sofortiges Abschleppen erlaubt?

Schadenfixblog | 4. Oktober 2011 — Das Verwaltungsgericht Neustadt/Wstr. (VG) hat mit Urteil vom 13.09.2011 (Az.: 5 K 369/11.NW) entschieden, dass ein Auto, dass …

Rechtsanwalt fühlt sich ungerecht behandelt bei Abschleppen von Behindertenparkplatz des AG

beck-blog | 15. September 2011 — Musste das denn wirklich zum VG getragen werden? Da parkt ein Anwalt auf dem Behindertenparkplatz eines AG und wird abgeschlepp…

Auf Busspur geparkt: Abschleppkosten?

Verkehrsrecht RA Honsel | 10. Juli 2011 — Darüber, ob ein auf der Busspur geparktes Auto abgeschleppt, und die dabei entstandenen Abschleppkosten dem Besitzer des Autos …

Kein Vorrecht für Anwälte auf Behindertenparkplätze

Schlosser Aktuell | 14. September 2011 — Nichts gegen kreatives Parken, aber Behindertenparkplätze sind tabu – auch, wenn nicht alle besetzt sind. So hat auch das Ver…

Der Anwalt und der Behindertenparkplatz

Rechtslupe | 14. September 2011 — Parkt ein Kraftfahrer verbotswidrig auf einem von mehreren öffentlichen Behindertenparkplätzen, kann er auch dann abgeschleppt …

Auch Anwälte dürfen nicht einfach auf Behindertenparkplätzen parken, selbst wenn daneben noch ein zweiter frei ist.

kLAWtext | 14. September 2011 — Dass auch Anwälte nicht immer Recht behalten, zeigt der folgende Fall: Parkt ein Kraftfahrer verbotswidrig auf einem von mehrere…

Geschädigter Autofahrer kann auf freie Werkstatt verwiesen werden

Verkehrsrecht RA Honsel | 21. September 2011 — Autounfall: Ein geschädigter Autofahrer kann bei einer fiktiven Abrechnung auf die Kosten einer freien Werkstatt verwiesen werd…

Behindertenparkplatz Ausweis Vergessen: Behindertenparken ohne Ausweis für Behinderte verboten

Lichtenrader Notizen | 6. Februar 2005 — Das Oberverwaltungsgericht Rheinland - Pfalz stellt rechtskräftig fest, dass ein Behinderter, der seinen PKW auf einem Behindert…

Nutzungsausfallschaden bei Beauftragung von Anwalt

Verkehrsrecht RA Honsel | 16. Juni 2011 — Dass nach einem Autounfall ein längerer Nutzungsausfall, der durch die Beauftragung eines Anwalts durch den Geschädigten verurs…