Anspruch des Windenergieanlagenbetreibers gegen Netzbetreiber auf Ausbau des Stromnetzes?

Der unter anderem für Fragen der Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das Stromnetz zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte über folgenden Sachverhalt zu entscheiden:

Die drei Kläger planen die Errichtung von Windenergieanlagen. Zum Teil wollen sie die Anlagen selbst errichten und betreiben, zum Teil wollen sie dies erst noch zu gründenden Gesellschaften überlassen. Alle drei Kläger sind im Besitz entsprechender Baugenehmigungen und verfügen entweder als Eigentümer oder aufgrund von Verträgen mit den Grundeigentümern über die erforderlichen Grundstücke. Die Beklagte betreibt das örtliche Stromnetz. Von dieser verlangen die Kläger gemäß § 4 Abs. 2 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vom 21. Juli 2004 (EEG 2004) den Anschluss der geplanten Windenergieanlagen an bestimmte Netzstationen. Im Bereich dieser Stationen, die in unmittelbarer Nähe der geplanten Anlagen liegen, ist das Stromnetz der Beklagten ohne kostenaufwendigen Ausbau zur Aufnahme des Stroms aus den Anlagen technisch nicht geeignet. Deswegen bietet die Beklagte, die nach § 13 Abs. 2 EEG 2004 die Kosten eines Netzausbaus zu tragen hat, den Klägern an, die Anlagen an anderer, weiter entfernt gelegener Stelle an das Netz anzuschließen, wo dieses hierfür ohne Netzausbau technisch geeignet ist. Das lehnen die Kläger wegen der höheren Anschlusskosten, die gemäß § 13 Abs. 1 EEG 2004 ihnen obliegen, ab und verlangen von der Beklagten wiederum gemäß § 4 Abs. 2 EEG 2004, ihr Netz so auszubauen, dass es an den gewünschten Netzstationen zur Aufnahme des Stroms technisch geeignet ist. Weiter begehren die Kläger die Feststellung, dass die Beklagte ihnen zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist, der sich daraus ergibt, dass die Beklagte den Anschluss der geplanten Windenergieanlagen an den gewünschten Netzstationen abgelehnt hat.

Das Landgericht hat der Klage im vollen Umfang stattgegeben, das Oberlandesgericht hat die Berufung der Beklagten im wesentlichen zurückgewiesen. Auf die Revision der Beklagten hat der Bundesgerichtshof das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache an das Oberlandesgericht zurückverwiesen.

Der Bundesgerichtshof hat in seinem Urteil die Voraussetzungen des Anspruchs präzisiert, unter denen nach § 4 Abs. 2 EEG 2004 ein zukünftiger Anlagenbetreiber von einem Netzbetreiber zwecks Anschluss der geplanten Anlage an das Stromnetz dessen Ausbau verlangen kann. Grundlegende Voraussetzung ist, dass das Netz, dessen Ausbau begehrt wird, an dem gewünschten Verknüpfungspunkt die kürzeste Entfernung zum Standort der geplanten Anlage aufweist, dort jedoch technisch zur Aufnahme des Stroms aus der Anlage nicht geeignet ist. Trifft das – wie im Streitfall – zu, besteht der Anspruch gleichwohl nicht, wenn – was im vorliegenden Fall in den Tatsacheninstanzen nicht hinreichend geklärt worden ist – dasselbe oder ein anderes Netz einen technisch und wirtschaftlich günstigeren Verknüp…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Erneuerbare Energien , Strom , Anschluss , Eeg , Stromnetz

Erschienen 10. Juni 2009 auf http://www.raschlosser.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Kontroverse Entscheidung des OLG Hamm zum Netzverknüpfungspunk

LEXEGESE | 20. Mai 2011 — In einer kontroversen Entscheidung hat das OLG Hamm befunden, dass Windenergie auf dem kürzesten Weg in das Netz eingespeist w…

Biomasse-Kraftwerk mit konventionellem Anfahrbetrieb

Rechtslupe | 28. April 2011 — Für den Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Anlage zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbarer Energie ist auch dann auf die erstma…

OLG Schleswig entscheidet zum Inbetriebnahmezeitpunkt von PV-Anlagen

LEXEGESE | 26. März 2012 — Wird eine Solarstromanlage (Photovoltaikanlage) nur teilweise im Jahr 2009 fertig gestellt, kann auch nur für diesen Teil der An…

Einspeisevergütung Photovoltaikanlagen: Einspeisevergütung bei Photovoltaikanlagen

Schlosser Aktuell | 13. Mai 2009 — Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte darüber zu entscheiden, ob dem Betreiber von Fotovoltaikanlagen die erhöhte …

Strom aus Biomasse: Mehrere Anlagen oder Großanlage?

Schlosser Aktuell | 14. Mai 2009 — Der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hatte über einen Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung aufgrund der Neur…

Neues zum gesetzlichen Netzverknüpfungspunkt von EEG-Anlagen

Der Energieblog | 31. Oktober 2011 — (c) BBH Das EEG 2009 verpflichtet Netzbetreiber, Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien an ihr Netz anzusch…

Windenergie – auf dem kurzen Weg ins Netz

Rechtslupe | 23. Mai 2011 — Ein Stromnetzbetreiber muss eine Windkraftanlage an die nächstgelegene Verknüpfungsstelle in seinem Netz anschließen und macht …

Einspeisevergütung für Strom aus “ausschließlich an oder auf einem Gebäude angebrachten” Fotovoltaikanlagen

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 30. Oktober 2008 — Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte darüber zu entscheiden, ob dem Betreiber von Fotovoltaikanlagen die erhöhte …

Ecofys-Studie über die Abschaltung von Windenergieanlagen

LEXEGESE | 12. April 2011 — Windenergieanlagen sind bislang meist lokal – in einigen Regionen aber erheblich – vom Einspeisemanagement betroffen. Dies zei…

Zum Anspruch des Verkäufers auf Schadensersatz nach einem unberechtigten Mangelbeseitigungsverlangen des Käufers

Recht und Alltag | 23. Januar 2008 — Der unter anderem für das Kaufrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte in seinem Urteil vom 23.01.2008 (A…