Anlageberatung: Anlageberater muss Richtigstellung von Prospektfehlern nachweisen
Mit Beschluss vom 17.09.2009 hat der Bundesgerichtshof (BGH) nochmals deutlich klargestellt, dass ein Anlageberater, der einen Kunden
mit einem fehlerhaften Prospekt aufklärt und berät, im Prozess vortragen und beweisen muss, dass er die Fehler richtig gestellt hat.
Tut er dies nicht, haftet er. Die Frage, wer was im Prozess vorzutragen und zu beweisen hat, ist sehr entscheidend. Hiervon kann
letztlich abhängen, ob der Kläger den Prozess gewinnt oder verliert. Grundsätzlich gilt immer: Derjenige, der einen Anspruch geltend
macht, muss die entsprechenden Voraussetzungen vortragen und falls der Gegner diese bestreitet auch beweisen. Geht es um die
Haftung wegen fehlerhafter Anlageberatung, muss der klagende Anleger also zunächst die Umstände vortragen, aus denen sich die
Falschberatung ergibt, und diese Umstände dann ggfls. auch beweisen. Anlageberater und Vermittler verwenden bei ihren Gesprächen
regelmäßig Emissionsprospekte. Wenn diese Fehler aufweisen, so muss der Berater will er seiner Aufklärungspflicht genügen diese
Fehler ansprechen und richtigstellen. Tut er dies nicht, so haftet er auf Schadensersatz. Viele Gerichte tun sich allerdings schwer,
wenn es um die Frage geht, wer bei dieser Konstellation, was vorzutragen und zu beweisen hat. Ohne Frage muss der Anleger vortragen
und beweisen, dass der Prospekt falsch ist und der Berater diesen beim Beratungsgespräch verwendet hat. Aber muss er auch vortragen
und beweisen, dass der Berater der Fehler nicht richtig gestellt hat? Dies muss er nicht. Es ist vielmehr Sache des Beraters,
vorzubringen, dass eine Richtigstellung der Fehler gegenüber dem Anleger erfolgte. Denn durch die Verwendung des fehlerhaften
Prospektes beim Beratungsgespräch steht die Pflichtverletzung grundsätzlich schon fest. Deshalb muss alles, was den Berater wieder
entlasten könnte, von diesem vorgetragen werden. Der BGH führt hierzu aus: Das Berufungsgericht hat aber verkannt, dass derjenige
Anlageberater, der ... dem Anlageinteressenten in dem Beratungsgespräch einen Verkaufsprospekt vorlegt und diesen zur Grundlage
seiner Beratung macht, obwohl dieser Prospekt fehlerhaft ist, den Anleger falsch beraten hat. Die Pflichtverletzung des
Anlageberaters steht aufgrund der Übergabe des falschen Prospektes (
) fest. Sie entfällt nur dann, wenn er diesen Fehler berichtigt
hat. Dafür, dass er dies getan hat, ist aber der Anlageberater und nicht etwa der Anleger beweispflichtig (
). Vorliegend kommt
hinzu, dass der Zeuge J. nach dem eigenen Vortrag der Beklagten zu 3) unstreitig den Prospektfehler nicht berichtigt hat.
Stellungnahme der Kanzlei Göddecke Der unscheinbare Beschluss des BGH ist für klagende Anleger sehr h…
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