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Alte Dame kann das Klauen nicht lassen

am 19.12.2006 von http://www.strafblog.de

Nach längerer Pause suchte mich heute mal wieder eine Mandantin auf, die schon reichlich oft wegen Ladendiebstahls in Erscheinung getreten und auch schon mehrfach zu Bewährungsstrafen verurteilt worden ist. Die Dame geht schon auf die 70 zu und kann in Anspannungsituationen das Klauen einfach nicht lassen. Oft klaut sie Dinge, die sie gar nicht brauchen kann, wie zuletzt etwa vor einem Herrenbekleidungsgeschäft zwei Hosen, für die sie keinerlei Verwendung hat. Es war auch schon mal Katzenfutter, obwohl sie eine Katzenallergie hat und keine Haustiere hält. Nicht etwa, dass sie das Diebesgut an einen Second-Hand-Shop oder an sonst einen interessierten Dritten verkauft oder verschenkt, nein, sie lagert es einfach zuhause und wirft es dann irgendwann weg. Es ist wohl schlichtweg der Nervenkitzel, der sie an den Diebstählen reizt, die Möglichkeit, Druck abzulassen, wenn das Leben zu frustrierend wird.

Wenn sie - wie jetzt wieder - erwischt wird, bricht die Frau in hemmungslosses Zittern aus, redet dummes Zeug und weist gegen jede Vernunft alle Schuld von sich. Zuletzt hat sie 5 Jahre unter Bewährung gestanden und während der Bewährungszeit sind einige neue Ermittlungsverfahren gem. § 153 StPO eingestellt worden, ohne dass dies zum Widerruf der Bewährung geführt hat. In einem dieser Verfahren, in dem sie zunächst angeklagt war, habe ich sie verteidigt und ein Sachverständigengutachten zur Schuldfähigkeit beantragt. Der Sachverständige wollte sie zwecks Begutachtung 2 Monate stationär unterbringen, weil er sich ansonsten kein hinreichendes Bild machen könne. Dies habe ich aus Verhältnismäßigkeitsgründen abgelehnt, weil es nur um einen Diebstahl geringwertiger Sachen ging, der eine zweimonatige Freiheitsentziehung nicht rechtfertige. Das hat das Gericht genauso gesehen und das Verfahren dann ohne Gutachten eingestellt, weil eine Schuldunfähigkeit jedenfalls nicht auszuschließen sei.

Jetzt geht die ganze Chose wieder von vorne los. Die Anwaltskosten liegen weit über dem Wert der gestohlenen Sachen, aber das ist der Frau die Sache wert.

Na dann, frohe Weihnachten ...


Autor: RA Rainer Pohlen

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