Schmeicheleien an den Richter
Rechtsanwalt News | 3. August 2009 — In den allermeisten zivilrechtlichen Verhandlungen diktiert der Richter das Protokoll in der Verhandlung mittels eines Diktierg…
Zeugen sind häufig etwas nervös, wenn sie das erste Mal vor Gericht sind. Wenn die Zeugen “im eigenem Lager” stehen, also beispielsweise Freunde oder Mitarbeiter des Mandanten sind versuche ich ihnen daher schon einmal etwas die Sorge zu nehmen und sie etwas für Zeugenaussagen zu sensibilisieren. Meine typische Belehrung verläuft dabei etwa wie folgt (in der gekürzten Form):
“Hallo mein Name ist Brandau, ich vertrete Frau Müller als Rechtsanwalt in dem Verfahren. Waren sie schon mal als Zeuge vor Gericht? Nein? Dann erzähle ich ihnen gerade mal etwas dazu, damit sie vorbereitet sind: Wenn die Sache aufgerufen wird, dann kommen Sie mit mir zusammen rein und setzen sich ersteinmal alle hinten hin. Der Richter wird dann ersteinmal feststellen, ob alle da sind und dann die Zeugen belehren, dass sie die Wahrheit sagen müssen und nichts als die Wahrheit, so ähnlich wie sie das aus dem Fernsehen kennen. Das muss der Richter machen, dass ist kein Mißtrauen gegen Sie. Dann werden meist alle Zeugen wieder rausgeschickt und wir verhandeln erst einmal ohne Sie über die Sache.
Der Richter ruft die Zeugen dann einzeln wieder rein. Dann fragt er sie nach ihrem Namen und wo sie wohnen, sowie nach ihrem Alter und ihrem Beruf, dass muss er ins Protokoll aufnehmen. Zudem fragt er sie, ob sie mit einer der Seiten verwandt oder verschwägert sind, weil sie dann die Aussage verweigern können. Die meisten Richter diktieren ihre Aussage direkt in ein Aufnahmegerät, wenn der Richter da etwas Falsches sagt, dann unterbrechen sie den Richter gleich, damit das korregiert wird.
Dann befragt sie zunächst der Richter zum Sachverhalt. Wie er das macht ist ganz unterschiedlich, der eine läßt sie einfach erzählen, der andere stellt gezielte Fragen. Wichtig dabei ist, dass sie nicht nur die nackten Fakten kurz darstellen, sondern auch ein wenig drumherum erzählen. Der Richter will sich ja ein Bild machen, wie es wirklich war und die Gegenseite wird es anders darstellen, er muß also überprüfen, ob sie die Wahrheit sagen und das kann er am einfachsten, wenn er merkt, dass sie das Drumherum darstellen können und nicht nur den wesentlichen Kern. Wer sich etwas ausdenkt, der hat sich nämlich meist keine Gedanken zu den Details gemacht. Wenn sie sich bei etwas nicht mehr ganz sicher sind, dann sagen sie das ruhig dazu, es kann niemand erwarten, dass sie sich noch an jede Einzelheit erinnern. Wenn der Richter fertig ist, dann sind die beiden Anwälte mit Fragen dran. Zuerst der, der sie als Zeuge angegeben hat. Wenn sie also was vergessen haben oder ich nocheinmal etwas betonen möchte, dann frage ich sie dazu.
Wenn die Aussage gut gelaufen ist, dann wird die Gegenseite meist versuchen, die Aussage schlecht zu machen. Nehmen sie das nicht persönlich, es heißt ja eigentlich, dass sie eine gute Aussag…
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