Alkohol und Tabak gefährlicher als Cannabis, LSD und Ecstasy?
am 25.03.2007 von http://www.strafblog.de
Nach einer bei SPIEGEL-ONLINE referierten britischen Studie sind Alkohol und Tabak sowohl für die individuelle Gesundheit als auch für die Volksgesundheit schädlicher als manche leichte und mittelpotente Drogen wie z.B. Cannabis, also Haschisch und Marihuana, oder Ecstasy und LSD. Die Forschungsgruppe um David Nutt von der University of Bristol hat eine Rangliste der gefährlichsten Drogen erstellt, die sowohl die Folgen für die individuelle Gesundheit und das Suchtpotential als auch den gesellschaftlichen Schaden einzelner Rauschmittel berücksichtigt. Alkohol (Platz 5) und Tabak (Platz 9) gehören danach zu den Top 10 der Gefahrenstoffe, während Cannabis (11), LSD (14) und Ecstasy (18) weiter hinten zu finden sind.
Die Zahl der Drogentoten in ganz Europa wird mit 7.000 bis 8.000 Menschen jährlich angegeben, während allein in Deutschland nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums jährlich 40.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch sterben, heißt es in dem SPIEGEL-Beitrag. Die Zahl der Tabak-Opfer wird in Deutschland mit jährlich bis zu 140.000 angegeben.
Als krank und willkürlich hat Nutt das momentane Drogensystem gegenüber der Presseagentur AP bezeichnet. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es keinen Grund, Tabak und Alkohol nicht unter das Drogengesetz fallen zu lassen. Man müsse umdenken lernen. Gefährlich seien auch solche Drogen, welche die Leute kennen, lieben und jeden Tag zu sich nehmen.
Zumindest mit dem zuletzt zitierten Satz hat der Mann Recht, denke ich. Vor allem, wenn der Konsum im Übermaß geschieht. Aber ab und zu ein Glas Rotwein oder ein Grappa nach dem Essen oder ein guter Whisky, das ist doch schon was, oder? Und wem nach dem Essen eine Zigarre oder zwischendurch mal eine Zigarette schmeckt, der muss das für sich verantworten, denke ich. Das kann mit der gleichen Berechtigung natürlich aus für den kleinen Joint zwischendurch gelten, wird manch ein Cannabis-Jünger vielleicht denken. Und ganz so Unrecht hat er damit nicht. Eine Ausweitung prohibitiver Maßnahmen ist meines Erachtens der schlechteste Weg, das Suchtproblem in den Griff zu bekommen. Eine weitere massenhafte Kriminalisierung der Bevölkerung durch strafbewehrte Totalverbote lehne ich ab. Verbote ohne Strafbewehrung machen wiederum keinen Sinn. Deshalb muss wohl der lange Weg über die Aufklärung und die Bewusstseinsbildung gegangen werden. Über dosierte Verbote, wie etwa das Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Räumen oder am Arbeitsplatz, lässt sich natürlich reden.
Autor: RA Rainer Pohlen
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