Fritz sagte: “Ich bin dann mal weg!”
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Die eigentliche Vernehmung von Alaeddine T. ging heute Vormittag schnell. Er äußerte sich zu seinen Personalien und verweigerte dann die Aussage. Er wollte auch nicht sagen, ob und wen er auf der Anklagebank erkannte. Für die Verteidigung war diese Verhalten OK, Bundesanwalt Volker Brinkmann nahm die Situation dagegen zum Anlaß, T. ins Gewissen zu reden. Und zwar sehr nachdrücklich: Er wisse doch, dass der Generalbundesanwalt ein Verfahren gegen ihn eingeleitet habe. “Ob ich sie anklagen soll, weiß ich nicht so recht”, sagte Brinkmann wörtlich. “Das Verfahren steht gerade auf der Kippe. Wurscht kann Ihnen das doch nicht sein”. Und deshalb, mahnte Brinkmann mit drohender Stimme, solle er doch noch einmal überlegen, wie es nun wirke, wenn er nichts sagen wolle - auch wenn es sein gutes Recht sei, zu schweigen. Eine unverholene Drohung. Doch mit wieviel Substanz? T. schwieg, wurde entlassen und kam kurz darauf in den Zuschauerraum. Dabei fiel mir und anderen Beobachtern auf, dass er - wie schon vom Zeugenstuhl aus - mit sonderbarer Miene auf die Angeklagten blickte. War es Freude? Begeisterung? Das Gefühl der eigenen Wichtigkeit? Tauschten sie Blicke oder grüßten sich? Für seine 17 Jahre war Ts Verhalten jedenfalls ganz schön selbstbewußt.
Es folgte KHK I. vom BKA, der T. mehrfach als Zeuge vernommen hatte. Nimmt man nur seine Erinnerungen und die Vernehmungsprotokolle, wirkt die Drohung von Bundesanwalt Brinkmann mager. T erzählte, er habe im Sommer 2007 in Istanbul einen großen dunkelhaarigen Mann kennengelernt, der aus Mannheim stammte und ihn gebeten habe, eine Tüte mit einer Jeanshose und einem Paar braunen Schuhen mit nach Braunschweig zu nehmen. Dort würde die Tüte abgeholt - und als Dankeschön habe es 100 Euro für die Fahrkarte nach Hause gegeben. Keine Geschichte, die sonderlich überzeugend klingt - aber eben auch keine, die nachweisbare Fehler enthält.
Schon in seinen polizeilichen Vernehmungen hatte T. zudem Fritz Gelowicz auf Fotos als den Mann erkannt, der die Tüte bei ihm abgeholt habe. Ist das das Verhalten eines Mitwissers?
Doch wer hat ihm die Tüte gegeben - falls die Geschichte so stimmt? Damals sprach T. von einem “Abu Obeida” - angeblich könnte es sich um den Türken Mevlüt Karr handeln, dem ja wiederum Kontakte zu CIA und türkischem Geheimdienst nachgesagt werden. Und der immerhin auch mal im Raum Mannheim gelebt hat. Aber nichts davon ist bislang auch nur ansatzweise beweisbar.
Fakt war aber das Verhalten von T im Gerichtssaal. Er schien den Prozess richtig zu genießen, schaute in der schon beschriebenen Weise immer wieder zur Anklagebank, lächelte aber auch mich an, als ich ihm einen Blick zuwarf - und das, obwohl gerade in der Vernehmung des KHK I. von der verschimmelten Wohnung der Familie T. die Rede war. Erstaunlich. <…
» Vollständiger ArtikelErschienen 27. Mai 2009 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.
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