Sicherheitsbehörden durch neues Al-Kaida-Video alarmiert
Reuters | 19. September 2009 — Berlin (Reuters) - Die Sicherheitsbehörden haben noch keine Schlüsse aus dem im Internet verbreiten Drohvideo der Extremistenor…
Berlin (Reuters) - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist Deutschland zum Adressaten von Terrordrohungen der Extremistenorganisation Al-Kaida geworden.
Am Sonntag tauchte im Internet ein neues Video auf, das vom Bundesinnenministerium als echt eingestuft wurde. Der Film werde im Internetzentrum der Sicherheitsbehörden ausgewertet, sagte eine Sprecherin in Berlin. Das Video reihe sich ein in frühere Botschaften islamistischer Kreise.
Sprecher in der neuen Botschaft ist wie schon in dem am Freitag verbreiteten Drohvideo der Deutsch-Marrokaner Bekkay Harrach. Unter Bezug auf die Bundestagswahl geißelt er insbesondere den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und fordert das Volk zu einem Kurswechsel auf. Ansonsten werde es ein böses Erwachen geben.
Während sich Harrach in der Botschaft vom Freitag vor einem roten Vorhang, ohne Kopftuch und in Anzug und Krawatte präsentiert, tritt er in dem neuen Film wie zu früheren Gelegenheiten vermummt auf.
Am Freitag waren in Deutschland die Sicherheitsvorkehrungen an allen Flughäfen sowie an Bahnhöfen verschärft worden. Beamte der Bundespolizei gehen mit Schutzwesten und Maschinenpistolen verstärkt auf Streife. Die seit Jahresbeginn verstärkt gegen Deutschland gerichteten Drohungen von Al-Kaida und anderen islamistischen Organisationen hätten eine neue Qualität erreicht, erklärten Bundespolizei und Innenministerium. Die Bundestagswahl biete einen besonderen Ansatz für "propagandistische und operative Handlungen terroristischer Gruppierungen".
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte am Samstag, man müsse das Video ernst nehmen, da Harrach ein bekannter Islamist sei. Auf der anderen Seite solle mit solchen Videos Politik gemacht und Schrecken in der deutschen Bevölkerung verbreitet werden. Besondere Aufmerksamkeit widmen die Behörden dem am Wochenende eröffneten Oktoberfest. Die Polizei sei rund um die Wies`n und in der Münchner Innenstadt stark präsent, sagte Herrmann im Deutschlandfunk. Auch viele verdeckte Kräfte seien beim größten Volksfest der Welt im Einsatz. Es gebe aber keine speziellen Drohungen gegen konkrete Ziele.
Auf Deutsch fordert Harrach in einem der Videos die Bürger auf, dem Afghanistan-Einsatz durch ihre Stimme bei der Wahl eine Absage zu erteilen. Entscheide sich das deutsche Volk für die Fortsetzung des Krieges, habe es sein eigenes Urteil gefällt.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wird direkt angesprochen. Diese habe zum völkerrechtswidrigen Krieg gestanden. "Welche logische Konsequenz ergab sich aus der Unterstützung der britischen und der spanischen Konservativen für den Irakkrieg?", fragt Harrach. In beiden Ländern hatte es Anschläge der Al-Kaida mit vielen Toten gegeben. An die Muslime in Deutschland richtet Harrach die Warnung, sich in den zwei Wochen nach der Wahl von allem entfernt zu halten, was nicht lebensnotwendig sei.
MUTMASSLICHE ISLAMISTEN IN PAKISTAN FESTGENOMMEN
Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" verhandelt die Bundesregierung derzeit mit der pakistanischen Regierung über die Überstellung von sechs mutmaßlichen Islamisten und einem Kind aus Deutschland, die seit Monaten in pakistanischer Haft sitzen. Die Reisegruppe sei im Mai an der pakistanischen Grenze festgenommen worden. Nach Angaben deutscher Sicherheitskreise hätten die Reisenden in ein Lager der "Islamischen Bewegung Usbekistans" reisen wollen, berichtete das Magazin. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts bestätigte lediglich, dass es konsularische Bemühungen für eine Gruppe deutscher Staatsangehöriger gibt.
Erschienen 20. September 2009 bei http://www.reuters.com.
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