Aktualität der Vergeltung (1): die Blendung

Vom Vergeltungsstrafrecht nahm der deutsche Gesetzgeber in den 1960er Jahren unter großer öffentlichter Anteilnahme ein für allemal Abstand. Seit dem “Abschied von Kant und Hegel” (so der Strafrechtsreformer Jürgen Baumann) blickt man auf die Vergeltung ähnlich erleichtert zurück wie auf die Todesstrafe: “Wie gut, dass wir darüber hinaus sind!”

Dem Rest der Welt, der diese moralische Höhe noch nicht erklommen hat, fühlen wir uns seither (wieder einmal) überlegen. Und gerne blicken wir in den Iran, um zu erschauern. Morgen, Sonnabend, den 14. Mai 2011, soll in Teheran Vergeltung geübt werden. Ein Gericht hat es der von ihrem Peiniger vor sechseinhalb Jahren mit Säure geblendeten Iranerin Ameneh Bahrami erlaubt. Sie darf Madschid Mowahedi, der ihr wegen verschmähter Liebe im November 2004 Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet hatte, nun ihrerseits blind machen. Stern

«Das wird für mich nicht nur eine Genugtuung für all das Leid, das mir angetan wurde, sondern auch eine Initiative, um Täter vor solchen Aktionen abzuschrecken», sagte die 32-Jährige in einer Presseerklärung, die die Nachrichtenagentur ISNA am Freitag verbreitete.

Ein damaliger Verehrer und Mitstudent,Grund war ihre Zurückweisung seiner Gefühle. Trotz zahlreicher Operationen ist ihr Gesicht weiter verunstaltet, die …

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Themen: Gewaltkriminalität , Iran , Stern , Teheran , Kant , Strafjustiz

Erschienen 13. Mai 2011 auf http://criminologia.de.

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