Aigner: Kampf gegen Agrar-Spekukationen läuft schleppend

Berlin (Reuters) - Die internationalen Bemühungen zur Eindämmung der Spekulationen mit Agrar-Rohstoffen gestalten sich nach den Worten von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner schleppend.

Besonders schwierig sei das Thema Preisbildung an den Märkten, sagte die CSU-Politikerin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) am Mittwoch in Berlin. Die Diskussionen verliefen zwar konstruktiv, aber auch sehr kontrovers. Eine schärfere Aufsicht der Märkte werde kommende Woche auf der Konferenz der Finanzminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) diskutiert, sagte Aigner. "Dieser Prozess wird nicht einfach."

Frankreich, das in diesem Jahr die G20-Präsidentschaft innehat, will angesichts anziehender Preise für Nahrungsrohstoffe gegen Spekulationen auf Agrarmärkten vorgehen und wird darin von Aigner unterstützt. Niebel wies darauf hin, dass Spekulationen nicht die Hauptursache für Hungersnöte in Entwicklungsländern seien: "Das Grundproblem sind die 40 Prozent Nachernteverluste durch falsche Lagerung und Logistik." Auch würden Möglichkeiten zur Ertragssteigerung etwa durch bessere Bewässerung nicht genutzt. "Es gibt noch ein hohes Potenzial, wo man noch durch Technologie und durch Bildung dazu beitragen kann, dass die Ernährungssituation deutlich stabilisiert wird."

Aigner bekräftigte ihre Vorschläge zur Eindämmung der Spekulationen: "Das oberste Gebot ist Transparenz." Es müsse klar sein, was gehandelt werde, wie viel gehandelt werde und wie gehandelt werde. "Ein Transaktionsregister schafft Transparenz und damit auch die Möglichkeit, notfalls zu intervenieren", sagte Aigner. Mehr Transparenz sei auch im außerbörslichen Handel, dem sogenannten over-the-counter-Bereich, nötig. Nach ihren Worten geht es darum, Überreaktionen zu dämpfen und Preismanipulationen zu verhindern. Dabei könnten bestimmte Handelsgrenzen gesetzt werden. "Werden diese Limits überschritten, sollten automatisch die Aufsichtsbehörden einschreiten." Sie könnten dann den Handel aussetzen oder das Volumen für bestimmte Händler begrenzen.

Allerdings müssten die Maßnahmen mit Bedacht eingesetzt werden: "Die Kunst liegt darin, die kapitalmarkt-gesteuerten Spekulationen so zu begrenzen, dass die Stabilisierungseffekte der Wartenterminbörsen erhalten bleiben."

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, verwies auf Studien von Wissenschaftlern, wonach zehn bis 20 Prozent der Nahrungsmittelpreise auf Spekulationen zurückzuführen sind. Einig war sie sich mit Aigner und Niebel, dass aber der Hauptgrund für die weltweit anziehende Nachfrage das Anwachsen der Weltbevölkerung und die sich ändernden Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern sind. So werde mehr Fleisch konsumiert, was einen höheren Futterbedarf mit sich bringe, was wiederum die Preise für pflanzliche Produkte antreibe.



Quelle: Reuters (13. April 2011)

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Erschienen 13. April 2011 bei http://www.reuters.com.

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