AG Frankfurt (Main): Anwaltskosten nach Filesharing-Abmahnung nicht erstattungsfähig

Bei der Begutachtung von typischen urheberrechtlichen Abmahnungen, die gegen Tauschbörsen-Nutzer ausgesprochen werden, liegt immer wieder die Frage auf der Hand, inwieweit die Kosten der seitens der verletzten Rechteinhaber eingeschalteten Anwälte ersetzt verlangt werden können. Die Kanzleien gehen regelmäßig – trotz gewichtiger Gegenargumente – schon nicht von Bagatellfällen aus, in denen die Anwaltskosten auf 100 € beschränkt wären. Sehr oft wird in den ausgesprochenen Abmahnungen auf Vergütungsansprüche aus einem Gegenstandswert von 10.000 € Bezug genommen, die sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) auf 651,80 € belaufen.

Geschäftsmodell Filesharing-Abmahnung?

Dass die Auftraggeber den abmahnenden Rechtsanwälten diesen Betrag pro Abmahnung tatsächlich schulden, kann man schon deshalb bezweifeln, weil das wirtschaftlich unvernünftig wäre. Den Abgemahnten wird schließlich angeboten, die Angelegenheit gegen Zahlung eines deutlich niedrigeren Vergleichsbetrags auf sich beruhen zu lassen. Wenn mit dem Abmahnungsauftrag bereits Anwaltskosten in Höhe von 651,80 € angefallen wären, dann müssten die Rechteinhaber nach einem solchen Vergleich den Differenzbetrag ausgleichen. Wer rechnen kann, muss sich also fragen, warum die gebeutelten Rechteinhaber so handeln sollten.

Einem vor einigen Wochen bekannt gewordenen Dokument zufolge funktioniert das Geschäft offenbar so, dass die mit Massenabmahnungen erzielten Einnahmen zwischen beauftragter Kanzlei und Rechteinhabern aufgrund einer besonderen Honorarvereinbarung quotenmäßig verteilt werden. Davon kann man halten, was man will – jedenfalls wäre mit der Aussprache einer einzelnen Abmahnung noch kein Ersatzanspruch bezüglich der Anwaltskosten entstanden, zumindest nicht in der gesetzlichen Höhe aus dem behaupteten Gegenstandswert.

Urteil des AG Frankfurt (Main)

Vor diesem Hintergrund entschied das Amtsgericht Frankfurt (Main) am 29. Januar 2010 (Az. 31 C 1078/09 – 78) zugunsten eines beklagten Tauschbörsennutzers. Dieser hatte sich mit der Behauptung gegen das Zahlungsverlangen verteidigt, dass eine vom RVG abweichende Honorarvereinbarung zwischen der Rechteinhaberin und der sie vertretenden Kanzlei existiert. Bestätigt wird dies durch eine seitens des Rechtsanwalts in einem anderen Verfahren vorgelegten eidesstattlichen Versicherung. Daraufhin hat das Gericht zu der Absprache zwischen der Rechteinhaberin und dem für sie tätigen Anwalt festgestellt:

Die Klägerin hat mit ihren Bevollmächtigten einen Beratungsvertrag abgeschlossen, im Rahmen dessen nach Aufwand abgerechnet wird. Im Rahmen dieses Vertrages werden die außergerichtlichen Abmahnungen vorgenommen, bei denen gleichzeitig ein Vergleichsangebot entsprechend der oben beschriebenen Form unterbreitet wird. In dem Fall, dass dieses Vergleichsangebot von der Gegenseite…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Abmahnung , Filesharing , Frankfurt , Tauschbörse , Massenabmahnung , Honorarvereinbarung , Lizenzschaden

Erschienen 9. Februar 2010 auf http://anwaltniemeyer.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

AG Frankfurt: Umschwenken von Pauschalpreis zu Abrechung nach RVG bei der Beauftragung zur Abmahnung geht zu Lasten des Abmahnende…

Offene Netze und Recht | 5. Februar 2010 — (AG Frankfurt, Urteil vom 29.01.2010, Az. 31 C 1078/09-78) – Volltext Das AG Frankfurt hat in einem Urteil vom 29.1.2010 eine…

AG Halle: Kosten für Abmahnung wegen Film-Upload auf eMule: 305,50 EUR

S.O.S. - Hilfe bei Abmahnung wegen Filesharing | 23. April 2010 — Das AG Halle hat entschieden, dass die Kosten für eine Abmahnung wegen rechtswidrigen Hochladens eines Filmwerkes auf der Tausc…

LG Frankfurt: Kein Anspruch auf Ersatz der Abmahnkosten für DigiProtect / RA Kornmeier

Bella & Ratzka Rechtsanwälte | 4. Februar 2010 — Wie der Kollege Thomas Stadler hier heute berichtet (mit Link auf Volltext der Entscheidung), hat das AG Frankfurt mit Urteil…

AG Frankfurt a.M.: Keine Erstattung der Rechtsanwaltsgebühr nach dem RVG für die Filesharing-Abmahnung

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 5. Februar 2010 — AG Frankfurt a.M., Urteil vom 29.01.2010, Az. 31 C 1078/09 - 78 § 97 Abs. 2 UrhG Das AG Frankfurt hat entschieden, dass d…

Anwaltskosten Als Schadensersatz: Anwaltsgebühren als ersatzfähiger Schaden!?

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 11. Februar 2010 — Spricht ein Urheber und Rechteinhaber über seinen Bevollmächtigten eine berechtigte Abmahnung gegenüber dem Verletzter aus und for…

AG Frankfurt/Main: Begrenzung der Abmahnkosten bei Filesharing auf € 100,00

wekwerth.de | 13. Mai 2010 — Nach zutreffender Ansicht des Amtsgerichts Frankfurt a.M. (Urteil vom 01.02.2010 - 30 C 2353/09) sind zwar die Anwaltskosten …

AG Frankfurt zur Erstattung der Abmahnkosten in Tauschbörsenfällen

Anwaltskanzlei von Olnhausen | 10. Februar 2010 — Nachdem vor einigen Wochen im Internet interne Dokumente aufgetaucht waren, die die bereits zuvor vermuteten Absprachen zur G…

AG Halle: Kosten für Abmahnung wegen Film-Upload auf eMule: 305,50 EUR

S.O.S. - Hilfe bei Abmahnung wegen Filesharing | 23. April 2010 — Tweet Das AG Halle hat entschieden, dass die Kosten für eine Abmahnung wegen rechtswidrigen Hochladens eines Filmwerkes auf der …

AG Frankfurt zur Erstattung der Abmahnkosten in Tauschbörsenfällen

Anwaltskanzlei von Olnhausen | 10. Februar 2010 — Nachdem vor einigen Wochen im Internet interne Dokumente aufgetaucht waren, die die bereits zuvor vermuteten Absprachen zur Gebühr…

Kostenerstattung bei Abmahnung: DigiProtect unterliegt hinsichtlich Anwaltskosten

Dr. Graf | 12. Februar 2010 — Mit Urteil vom 29.01.2010 (Az. 31 C 1078/09-78) hat das AG Frankfurt am Main entschieden, dass bei der Beauftragung zur Abmahnu…

RVG - nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
UrhG - Einzelnorm
Internet-Law: Die Abrechnungspraxis der Filesharing-Abmahnanwälte