Ägypten-Touristen nach Entführung wieder in Deutschland
Reuters | 30. September 2008 — Berlin (Reuters) - Nach zehn Tagen Geiselhaft in der Sahara sind fünf deutsche Ägypten-Touristen wohlbehalten in die Heimat z…
Berlin (Reuters) - Nach zehn Tagen Geiselhaft in der Sahara sind fünf deutsche Ägypten-Touristen wohlbehalten in die Heimat zurückgekehrt.
Mit einer Sondermaschine der Lufthansa landeten die Urlauber am Dienstag auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel, wo sie von ihren Angehörigen empfangen wurden. Mit ihnen kehrten Spezialkräfte der Elitetruppen GSG 9 und KSK nach Deutschland zurück. Die für Geiselbefreiungen ausgebildeten Polizisten und Soldaten hatten sich nach Angaben der Bundesregierung vor Ort bereitgehalten, waren aber nicht zum Einsatz gekommen. Die Täter hätten ihre Geiseln von sich aus freigelassen, sagte Innenstaatssekretär August Hanning dem Sender n-tv.
In Sicherheitskreisen hieß es, bei einem Schusswechsel mit sudanesischen Soldaten sei vor einigen Tagen einer der Anführer der Geiselnehmer umgekommen. Die restlichen Entführer hätten sich danach in einer schwierigen Lage befunden, weil sie in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt waren und Probleme mit der Versorgung der zahlreichen Geiseln hatten. Schließlich hätten sie den ägyptischen Sicherheitsbehörden die Koordinaten mitgeteilt, wo sie die Reisegruppe abholen konnten, und sich aus dem Staub gemacht.
Dies widerspricht deutlich der dramatischen Schilderung der italienischen Behörden, wonach italienische Spezialkräfte die Geiseln in einem Schusswechsel befreiten. Auch die inzwischen wieder freien Touristen zeigten sich verwundert. "Schüsse? Haben wir keine gehört", bekräftigte die 70-jährige Mirella De Giuli nach der Rückkehr in Turin. Die Entführer hätten den Geiseln einfach einen Geländewagen und ein Satellitennavigations-Gerät gegeben und sie in die Freiheit entlassen. Nach fünf oder sechs Stunden Fahrt durch die Wüste mit sehr geringen Wasservorräten seien sie schließlich auf ägyptische Soldaten gestoßen. Italiens Außenminister Franco Frattini lenkte später ein und erklärte, es habe keine bewaffnete Rettungsaktion gegeben.
Großes Lob ernteten die acht Reiseleiter, die zusammen mit ihren Schützlingen verschleppt worden waren. "Unsere wahre Stärke waren unsere ägyptischen Fremdenführer, die uns die ganze Zeit über beschützt haben", sagte Giovanna Quaglia. Besonders die Frauen in der Gruppe hätten sich gefürchtet. "Vor allem in den ersten Tagen behielten wir Frauen aus eigenem Antrieb die Kopftücher auf. Wir haben die Augen zu Boden gerichtet und versucht, jeden Kontakt zu vermeiden, weil man als Frau einfach ein bisschen mehr Angst hat".
Die deutschen Urlauber waren zusammen mit fünf Italienern, einer Rumänin und acht ägyptischen Begleitern am 19. September während einer Wüstensafari in Ägypten zwischen der Oase Dachla und der Hochebene Al-Gilf al-Kabir verschleppt und in den Sudan gebracht worden. Am Montag kamen sie im sudanesisch-ägyptischen Grenzgebiet frei und wurden nach Kairo geflogen.
Bei den deutschen Urlaubern handelt es sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes um ein 60-jährige Frau und einen 56-jährigen Mann aus Hessen, einen 65-jährigen Berliner sowie eine 69-jährige Frau und einen 37-jährigen Mann aus Baden-Württemberg. An Bord der Sondermaschine war auch sie 34 Jahre alte Rumänin, die ebenfalls in Baden-Württemberg lebt.
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