Abo-Fallen: Der "Button" und/oder das Strafrecht?

Die Bundesregierung stellt mit der Button-Lösung (neuer § 312g BGB) einen Gesetzentwurf vor, dessen Regelung es künftig verhindern soll, dass Internet-User in so genannte Abo-Fallen geraten.

Ob diese zivilrechtliche Lösung tatsächlich funktioniert, ist aber fraglich, siehe dazu die Kritik bei Telemedicus oder bei Internet-Law. Auch heute kommen die typischen Abo-Fallen-„Verträge“ nach ganz überwiegender Auffassung der Rechtsprechung gar nicht zustande, nur äußerst selten werden daher solche Beträge überhaupt eingeklagt. Warum aber zahlen viele der betroffenen Internet-User auf diese Nicht-Verträge, also ohne Rechtsgrund? Dies geschieht fast ausschließlich deshalb, weil sie sich durch entsprechende Schreiben von Anwälten und Inkasso-Büros einschüchtern lassen. Die Rechtslage ist für sie unübersichtlich und die geforderten Beträge erscheinen ihnen wohl meist noch tragbar, so dass sich die Beauftragung eines Rechtsanwalts bzw. das Eingehen eines Rechtsstreits aus ihrer Sicht nicht lohnt.

Die bloße Behauptung, sie schuldeten diese Beträge, ersetzt also die vertragliche Wirksamkeit. Die Abofallensteller nutzen damit eine Fehlfunktion unseres Rechtssystems aus: Die massenhafte Behauptung der Zahlungspflicht führt (häufig genug) zur rechtsgrundlosen Zahlung, so dass sich das Geschäftsmodell lohnt. Entgegen der Drohung der Rechtsanwälte/Inkassostellen werden diese Beträge aber (fast) nie eingeklagt, weil dies, wie sie sehr wohl wissen, chancenlos wäre.

Die Vorgehensweise wird sich nach Ansicht der Kritiker auch nicht ändern, wenn die Vertragswirksamkeit nunmehr an einen „Button“ geknüpft wird. Im Gegenteil werde dadurch eher die Abwicklung völlig regulärer Vertragsbeziehungen im Internet unnötig kompliziert. Durch die Button-Lösung würden also die „ehrlichen“ Händler / Dienstleister und ihre Kunden getroffen, während die „unehrlichen“ ihr Geschäftsmodell einfach weiter betreiben würden. Ganz so pessimistisch bin ich nicht, denn durch eine geschickte und breite Kommunikation des „Buttons“ als Wirksamkeitsvoraussetzung kann vielleicht die Zahlungsbereitschaft der von Abo-Fallen betroffenen Internet-User abnehmen.

Von Kritikern der Button-Lösung wird ein strafrechtliches Eingreifen gefordert: Das Geschäftsmodell funktioniert nämlich auch deshalb so gut, weil sich einige wenige „Rechts“anwälte in diesem System prostituieren und für das „Unrecht“ der Abofallenbetreiber streiten. Dies geschieht auch meines Erachtens in betrügerischer Bereicherungsabsicht bzw. in vorsätzlicher Unterstützung dieser Absicht der Mandantschaft (siehe schon hier). Es kommt dennoch nur selten zur Anklageerhebung bzw. Verurteilung der Abofallenbetreiber und ihrer anwaltlichen Helfershelfer, aus folgenden Gründen:

Es gehört zur Funktionsweise unseres Rechtssytems, dass ein Anwalt auch (möglicherweise) unberechtigte Forderungen seiner Mandantschaft erheben kann. Die Berechtigung d…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Inkasso , Abzocke , Internet , It-recht , Betrug , Gesetzentwurf , Materielles Strafrecht , Regelung , Kriminologie , Abo-falle , Abzocker , Button , § 312g Bgb

Erschienen 25. August 2011 auf http://www.blog.beck.de/blog.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Abo-Fallen: Weitere Kritik an der “Button-Lösung”

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 9. Oktober 2010 — Ich habe in der Vergangenheit mit Kritik an dem vermeintlichen Allheilmittel i.S. Abo-Fallen/Kostenfallen namens “Button-Lösung…

2-Klick-Empfehlungsbutton

JIPS News | 14. September 2011 — Heise Online hat eine Lösung für das Like-Button-Problem von Facebook entwickelt und stellt diese kostenlos und zur freien Nutz…

„Like-Button“ im E-Shop nicht wettbewerbswidrig

IT-Rechtsinfo | 28. März 2011 — Wenn man wettbewerbsrechtliche Seite betrachtet, stehen Wettbewerbern eines Händlers, der solch einen Button einsetzt, keine Unter…

Besserer Schutz vor Kosten- und Abo-Fallen im Internet

Gerhard Kaßing | 25. August 2011 — Die Bundesregierung wird aktiv in Sachen Verbraucherschutz im Internet. Um den Bürger besser for Kosten- und Abo-Fallen zu schütz…

BMJ zur Buttonlösung gegen Internetabzocke und angeblich verbesserten Verbraucherschutz

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 24. Juni 2011 — Das BMJ hat heute in der Pressemitteilung "Buttonlösung gegen Internetabzocke kommt – Mehr Verbraucherschutz durch neue EU-Richtli…

Button-Lösung auf den Weg gebracht

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 24. August 2011 — Was haben wir alle wegen des bisherigen Entwurfes einer “Button-Lösung” geschimpft und kritisiert: Nicht nur bei uns gab es Kri…

Beachten: Pflicht auf “Forderungen” von Abo-Fallen zu reagieren?

Die Abo-Falle | 5. August 2010 — Die Verbraucherzentrale aus Sachsen weist auf einen interessanten Umstand hin: Wer unberechtigte Forderungen von Abo-Fallen e…

I like: „Gefällt mir“-button auf facebook ist nicht wettbewerbswidrig

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 24. März 2011 — Wer im e-Trade auf seinen Angebotsseiten einen „gefällt mir“-button für facebook setzt, handelt in keinem Fall wettbewerbswidri…

BMJ zur Buttonlösung gegen Internetabzocke und angeblich verbessertem Verbraucherschutz

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 24. Juni 2011 — Das BMJ hat heute in der Pressemitteilung "Buttonlösung gegen Internetabzocke kommt – Mehr Verbraucherschutz durch neue EU-Richtli…

Wie man sich gegen Abofallen am besten wehrt

LawBlog | 24. August 2011 — Die Bundesregierung möchte Verbraucher besser vor Abzocke im Internet schützen. Soll ein Vertrag wirksam sein, müssen Verbrauch…

Betreiber von Abzockseiten im Internet und ihre unlauteren Inkasso-Anwälte – tut sich endlich was?
beck-online
beck-online
beck-online
Die Bundesregierung und das Ende der Abofallen

Die Bundesregierung hat gestern einen Gesetzesentwurf zur sog. „Button-Lösung” beschlossen, der nichts weniger bewirken soll, als das Ende von Abo-Fallen im Internet. Ob dieses große Ziel erreicht werden kann, ist allerdings mehr als...


Internet-Law » Bundesregierung beschließt Button-Lösung