Abo-Falle unterliegt und muss gegnerischen Anwalt zahlen
Erst jetzt wird eine Entscheidung des LG Mannheim (10 S 53/09) vom 14.1.2010 bekannt derzufolge ein Abo-Fallen-Betreiber die Kosten
für den gegnerischen Anwalt bei einer Widerklage tragen muss. Das Urteil des LG Mannheim ist aber nicht nur deswegen bermerkenswert,
auch der Lösungsansatz ist interessant: Das Landgericht kommt, anders als die vielen anderen Gerichte, gar nicht zu dem Schluss, dass
ein unentgeltlicher Nutzungsvertrag vorliegen würde.
Vielmehr ist das überzeugt, dass ein so genannter “Dissens” vorliegt, für den Laien: Eine unüberbrückbare Meinungsverschiedenheit beim
Vertragsschluss. Der Verbraucher geht von einem kostenlosen Angebot aus (und durfte das auch), der Anbieter wollte auf keinen Fall
kostenlos anbieten. Das Ergebnis, so das LG: Es kommt gar nicht erst ein Vertrag zustande, die zugestellte Rechnung ist grundlos
erfolgt.
Das alleine reicht noch nicht, um eigene Anwaltskosten einzufordern, vielmehr muss zumindest fahrlässig die unberechtigte Rechnung
ausgestellt werden. Dies bejaht das Gericht:
Die Beklagte wusste aufgrund der unstreitigen Vielzahl von Verbraucherbeschwerden um ihr zumindest missverständliches Angebot. Sie
ist auch von der Bedenklichkeit ihres Vorgehens überzeugt gewesen, wie sich daraus ergibt, dass sie ihre Forderung sofort hat fallen
lassen, als sich der Kläger mit anwaltlicher Hilfe zur Wehr gesetzt hat. Bei dieser Sachlage ist von einem fahrlässigen Verhalten der
Beklagten auszugehen, so dass der Kläger berechtigt ist, seine der Höhe nach unstreitigen Anwaltskosten ersetzt zu verlangen.
Trotz des insgesamt zu begrüßenden Ergebnisses verbleibt ein Nachgeschmal beim Lesen dieses Satzes:
Zwar ist dem Kläger vorzuwerfen, dass er nicht unverzüglich auf die Rechnung der Beklagten reagiert hat und dieser mitgeteilt hat, er
halte die Forderung nicht für berechtigt.
Es ist etwas schwierig einzusehen, dass man als Betroffener auf jede unberechtigte Rechnung reagieren soll, um ein evt.
Mitverschulden (nach §254 BGB) auszuschliessen. Die Folge wäre, dass man einen Teil seiner Kosten selber tragen müsste. Besondere
Brisanz erhält dieser Satz, wenn man bedenkt, das manche Abo-Fallen angeblich sogar einfache Besucher der Webseite anschreiben, deren
IP man beim Aufrufen der Webseite erfasst hat.
In einer Gesamtschau ist das Urteil des LG Mannheim eine Besonderheit, …
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