Abgestürzte Air-France-Maschine war womöglich zu langsam

Fernando de Noronha/Paris (Reuters) - Die über dem Atlantik verunglückte Air-France-Maschine könnte mit der falschen Geschwindigkeit durch eine Schlechtwetterfront geflogen sein.

Der Hersteller Airbus bereite eine Empfehlung zur optimalen Geschwindigkeit für A330-Maschinen bei schlechtem Wetter vor, berichtete "Le Monde" am Donnerstag unter Berufung auf Kreise der Kommission, die den Absturz untersuchte. Häufig drosseln Piloten die Geschwindigkeit bei Turbulenzen, um Schäden am Flugzeug zu verhindern. Eine zu starke Reduzierung der Geschwindigkeit kann jedoch die Triebwerke eines Flugzeugs abwürgen. Airbus wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Die französische Untersuchungskommission war nicht für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die spanische Zeitung "El Mundo" berichtete unterdessen, der Pilot einer weiteren Maschine auf transatlantischem Kurs habe zum mutmaßlichen Unglückszeitpunkt einen hellen Blitz gesehen. Danach habe er ein weißes Licht ausgemacht, dass sich nach unten bewegt habe, zitierte das Blatt einen Piloten der Fluggesellschaft Air Comet, dessen Maschine auf dem Weg von Lima nach Madrid war. Weder vor noch nach seiner Beobachtung habe er Notsignale gehört.

Bei dem Absturz des Airbus auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris waren in der Nacht zum Montag alle 228 Insassen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier insgesamt 28 Bundesbürger. Bisher war von bis zu 26 deutschen Passagieren ausgegangen worden. Elf der verunglückten Passagiere stammten einem Sprecher des Auswärtigen Amts zufolge aus Baden-Württemberg, je vier aus Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie je zwei aus Berlin, Hamburg und Bremen. Eine Person stammt aus Hessen, zwei weitere Deutsche hatten ihren Wohnsitz im Ausland. Darüber hinaus sind dem Sprecher zufolge unter den Verunglückten fünf ausländische Staatsbürger, die ihren Wohnsitz in Deutschland hatten.

Über die Unglücksursache gibt es bislang nur Spekulationen. Sollten die Flugschreiber nicht gefunden werden, könnte sie möglicherweise nie ganz geklärt werden. Die Chancen, die Flugschreiber auf dem zerklüfteten Meeresgrund in etwa 3000 Meter Tiefe zu finden, sind allerdings nach Angaben von Experten gering.

Die brasilianische Zeitung "O Estado de S. Paulo" berichtete unter Berufung auf das Air-France-Umfeld von den letzten Signalen, die von der Unglücksmaschine ausgegangen seien. Zunächst sei offenbar der Autopilot ausgeschaltet worden. Gleichzeitig seien mehrfache elektronische Defekte kommuniziert worden. Air France bestätigte den Bericht zunächst nicht.

Suchflugzeuge haben im Atlantik Wrackteile der Maschine verteilt auf fast 100 Kilometer geortet. Das lässt ein Auseinanderbrechen des Flugzeugs in großer Höhe vermuten. Eine Explosion hält der brasilianische Verteidigungsminister Nelson Jobim indes für unwahrscheinlich. Die auf dem Wasser gefundenen Ölspuren sprächen dafür, dass es weder ein Feuer noch eine Explosion gegeben habe, erläuterte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Auch sonst gibt es bislang keine Anzeichen für einen Anschlag. Die Behörden fragen sich dennoch, wie ein modernes, von drei erfahrenen Piloten gesteuertes Flugzeug abstürzen konnte, ohne einen einzigen Notruf zu senden. Viele Leute hätten daher das Gefühl, dass ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden könne, sagte Claude Moniquet vom European Strategic Intelligence and Security Center, einem Brüsseler Think Tank.



Quelle: Reuters (5. Juni 2009)

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Erschienen 5. Juni 2009 bei http://www.reuters.com.

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