Abdul Rahman

Würde der Zeuge kommen? Diese Frage stellten sich die Prozessbeteiligten schon am Morgen. Die Ladung an Tomislav. R., der sich seit seiner Konversion Abdul Rahman nennt, war ordnungsgemäß erfolgt – aber der Zeuge lebt inzwischen in Ägypten. Trotzdem hatte er sein Kommen angekündigt – die Gerichtskasse werden den Flug bezahlen, war zuvor zugesagt worden.

Trotzdem waren alle Bteiligten heute morgen gespannt. Schließlich war auch Sermet I. schon einmal als Zeuge geladen (im Verfahren gegen Aleem N.), reiste dazu extra aus Malaysia an und wurde dann am Flughafen Stuttgart von Polizei, Bundesanwaltschaft und einem Haftbefehl erwartet. Skepsis war also durchaus angebracht. Denn auch gegen Tomislav R. gab es in der Vergangenheit schon Ermittlungsverfahren.

Doch der Zeuge kam. Seit etwa einem Jahr lebe er in Ägypten, erzählte er dem Gericht. Diese habe verschiedene Gründe. Unter anderem habe es Vorteile für die Behandlung seiner schwer erkrankten, fünfjährigen Tochter, Der gelernte Industriekaufmann (Ausbildung bei Daimler, im Ausbildungsjahrgang vor Sermet I.) handelte in Ägypten bis zum Frühjahr mit Autos, nun suche er einen neuen Job. Sozialleistungen aus Deutschland, das war ihm wichtig, beziehe er nicht („nicht mal Kindergeld“). Ömer kenne er aus der Moschee in Sindelfingen.

Bis hierhin, etwa die erste halbe Stunde seiner Vernehmung, liefen Befragung und Aussage durchaus freundlich und reibungslos. Zwar war der Zeuge immer mal wieder schwer zu verstehen und verstand seinerseits die Fragen des Gerichts auch nicht immer auf Anhieb. Doch er gab bereitwillig Auskunft. Bis die Sprache auf Aleem N. kam. Den kenne er nicht, erklärte er. Auch nach dem Vorhalt von Bildern von Aleem sagte er nur, diese Person habe er vielleicht mal gesehen, Mehr aber nicht.

Eine erstaunliche Aussage. Immerhin wurde schon gestern ein Protokoll einer Telefon-Überwachung verlesen. In dem Ömer Ö. Aleem N. nachdrücklich aufforderte, zum Aqiqa-Fest (zur Feier der Geburt eines Kindes) von „Abdul Rahman“ (also Tomislav R.) zu kommen. Das konnte sich der Zeuge und potentielle Vater der Aqiqa aber gar nicht erklären.

Das Gericht wurde höchst ungehalten. Worte wie „Lüge“ und „Falschaussage“ standen im Raum. Doch es passierte (im strafprozessualen Sinne) zunächst nichts. Tomislav blieb auch nach der Mittagspause und dem Vorhalt eines Observationsberichts dabei: Er kenne Aleem nicht. Im Übrigen verlange er einen Rechtsanwalt als Zeugenbeistand. Das war der Punkt, an dem der Vorsitzenden der sprichwörtliche Kragen platzte.

Wie er denn nun auf diese Idee käme? Ob ihm das eventuell von den Verteidigern der Angeklagten geraten worden wäre, damit er nicht weiter aussagen müsse? Selten habe ich die Vorsitzende in einem derart scharfen Ton erlebt. Doch der Grund wurde schnell klar: „Ich habe Sie in der Kantine im Gespräch mit den Anwälten gesehen“, donnerte Angelika Blettner. „Was h…

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Themen: Deutschland , Daimler , Job , AL Qaida , Olg Koblenz , Aleem N.

Erschienen 3. November 2009 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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