Aachener Anwalt mit reichlich Geld auf der Flucht
am 28.01.2006 von RA-Blog
AN-Online berichtet: Seit Juli 2005 war eine „prächtige rote Backsteinvilla in der Einfamilienhaus-Idylle am Rande von Stolberg-Breinig“ verlassen. Und der dort lebende Aachener Anwalt und Insolvenzverwalter Hans-Jürgen S. (64) samt Ehefrau, Riesenschnauzer „Sammy“ und rund 1 Mio. Euro Gläubigergeldern aus Insolvenzakten auf der Flucht.
Der aus Mönchengladbach stammende S. war früher in Monaco ansässig. In den letzten Jahren hatte er eine Kanzlei im Frankenberger Viertel in Aachen, wo er zuletzt 112 Insolvenzverfahren bearbeitete.
S. hatte sich im November über seinen Anwalt bei der Aachener Staatsanwaltschaft nach der Höhe des von ihm verursachten Schadens erkundigt und Wiedergutmachung angeboten. Was daraus geworden ist, weiß man nicht. Der Mann ist weg. Das Geld auch. Frau und Hund sind nach halbjähriger Abwesenheit vor zwei Wochen wieder aufgetaucht.
Frau S., so heißt es, fuhr in einem Mercedes Kombi zu Hause in der Rolandstraße vor, als sei nichts gewesen. Nun betreibe sie den Verkauf des in ihrem Eigentum stehenden Einfamilienhauses, welches 289.000 Euro wert sein soll.
Derweil „lechze“ der von der Anwaltskammer mit der Auflösung der Kanzlei beauftragte Kollege nach Informationen über S., welche aber von der Ehefrau nicht zu erwarten seien. Die letzte Eintragung in S.’ Terminkalender datierte vom 28.05.2005. Seitdem habe er weder Rechnungen noch Posteingang bearbeitet. Seinen beiden wahrscheinlich ahnungslosen Mitarbeitern hatte S. bereits im März 2005 gekündigt. Ab April 2005 verfasste er Briefe an seine „Nachfolger“. Weiter hatte er kurzfristig die Mönchengladbacher Villa seiner verstorbenen Mutter verkauft. Er soll Eigentümer weiterer Häuser in Köln und Mönchengladbach sein - und nach Angaben des die Kanzlei auflösenden Kollegen eines Wandkalenders mit der Aufschrift „Immer schön sauber bleiben“.
Nach S. wird weiterhin gefahndet, über seinen Verbleib gibt es gemäß Aachener Oberstaatsanwalt Deller keinerlei Erkenntnisse.
Die Zeitung hat es trotz Abkürzung des Nachnamens natürlich nicht geschafft, Hans-Jürgen S. zu anonymisieren. Die Gerichte vertrauen Insolvenzverfahren schließlich nur ausgewählten Juristen an, die entsprechend jeder kennt. Vielleicht gibt es zu wenig Freiwillige für die Insolvenzverfahren.
Übrigens habe ich Anwalt S. vor ein paar Jahren auch mal Mandantengeld vorbeigebracht. Da war der Gläubiger aber anwesend und das Geld kam sofort an die richtige Adresse.
Quellen:
AN-Online vom 26.01.2006, 24.11., 18.11., 22.09., 20.09., 16.09.2005
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