7 Lehrer im Internet-Chat mit Anschlag bedroht
am 28.11.2006 von http://www.strafblog.de
Laut SPIEGEL-ONLINE haben Schüler einer Gesamtschule im rheinland-pfälzischen Herxheim in einem Internet-Chatroom eine Liste mit sieben namentlich genannten Lehrern entdeckt, auf welche heute angeblich ein Anschlag verübt werden sollte. Der Verfasser des Chats hätte angedroht, sich für alles zu rächen, was die Lehrer ihm angetan hätten. Als Tatverdächtigen ermittelte die von der Schulleitung aufgrund von Hinweisen der Schüler alarmierte Polizei einen 16-jährigen Mitschüler, in dessen Namen die Drohung geschrieben worden sein soll. Bei einer gestern abend durchgeführten Hausdurchsuchung wurde der PC des Schülers sichergestellt. Dieser wiederum bestreitet seine Urheberschaft an dem Schreiben und verdächtigt einen Mitschüler aus der 8. Klasse, die Drohung unter seinem Namen verfasst und ins Netz gestellt zu haben.
Von den betroffenen Lehrern kann sich keiner an besondere Vorkommnisse mit den beiden in Rede stehenden Schülern, welche die Bedrohungen verständlich machen könnten, erinnern. Gleichwohl wird der Vorfall an der Schule ernst genommen, was nach dem Amoklauf von Emsdetten in der vergangenen Woche mehr als verständlich ist.
Anmerkung: Tatmittel zur Realisierung eines Anschlags scheinen bei der Hausdurchsuchung nicht gefunden worden zu sein. Möglicherweise wird sich im Rahmen der Ermittlungen herausfinden lassen, wer die Drohung im Chat geschrieben, vielleicht aber auch nicht. Manches spricht dafür, dass sich Trittbrettfahrer im Gefolge der Berichterstattung um die Tat von Emsdetten wichtig machen wollen und es cool finden, Schrecken zu verbreiten. Vielleicht fehlt ihnen auch die Reife, zwischen Scherz und Ernst zu unterscheiden. Patentrezepte, solche Aktionen zu unterbinden, gibt es nicht. Da nutzt weder ein Verbot von Gewaltvideos oder Ballerspielen noch eine Internetpolizei. Je mehr Hysterie entfacht wird, um so größer dürfte für manchen verwirrten jugendlichen Geist die Verlockung sein, sich dem Hype anzuschließen und das virtuelle Schreckensszenario mitzugestalten. Aufklärung und Erziehung in der Schule und im Elternhaus sind vermutlich immer noch das beste Mittel, auf junge Menschen erzieherisch einzuwirken und sie von solch unsinnigem Tun abzuhalten. Das erfordert Geduld und Spucke, aber eine Alternative hierzu sehe ich nicht.
Autor: RA Rainer Pohlen
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