60 Prozent der alleinerziehenden Mütter erwerbstätig
Reuters | 29. Juli 2010 — Berlin (Reuters) - Rund 60 Prozent der rund 1,4 Millionen alleinerziehenden Mütter in Deutschland sind berufstätig, knapp die H…
Berlin (Reuters) - Rund 60 Prozent der rund 1,4 Millionen alleinerziehenden Mütter in Deutschland sind berufstätig.
Knapp die Hälfte davon geht sogar einer Vollzeitbeschäftigung nach, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Zudem steigt die Zahl der Alleinerziehenden stetig: Fast jede fünfte der 8,2 Millionen Familien mit Kindern in Deutschland ist heute alleinerziehend, 1996 galt dies nur für jede siebte Familie. In Ostdeutschland liegt der Anteil der Alleinerziehenden an allen Familien mit 27 Prozent wesentlich höher als im Westen mit 17 Prozent.
Wie viele der alleinerziehenden Mütter arbeiten gehen, hängt stark vom Alter der Kinder ab: Mit einem jüngsten Kind im Alter von 15 bis 17 Jahren gingen 73 Prozent der Mütter arbeiten, bei alleinerziehenden Mütter mit Kleinkindern unter drei Jahren lag der Anteil nur bei 23 Prozent. Auch hätten alleinerziehende Mütter von Kleinkindern nur vergleichsweise niedrige Einkommen zur Verfügung, sagte Statistikamtschef Roderich Egeler am Donnerstag. Mehr als die Hälfte alleinerziehender Frauen mit Kindern unter drei Jahren müssten mit einem monatlichen Familiennettoeinkommen von weniger als 1100 Euro auskommen.
Die Zahlen stammen aus dem Mikrozensus, der 2009 zur Lebenssituation alleinerziehender Mütter und Väter in Deutschland erhoben wurde.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder verwies angesichts dieser Ergebnisse auf die Bedeutung der Betreuung von Kleinkindern. Alleinerziehende seien aus der Familienrealität nicht mehr wegzudenken. Die Politik müsse ihnen unter anderem durch flexiblere Betreuungsangebote die Möglichkeit geben, Verantwortung für die Kinder zu übernehmen und zugleich für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
Die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende und Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns Manuela Schwesig griff im Hinblick auf die Ergebnisse die schwarz-gelbe Bundesregierung an. Ein Drittel der Alleinerziehenden sei auf Transferleistungen angewiesen und lebe nah am Rande des Existenzminimums. Schwesig kritisierte die Streichung des Elterngeldes für die Empfänger von Arbeitslosengeld II und Familien mit niedrigem Einkommen und forderte einen bedarfsgerechten Ausbau von Betreuungsangeboten.
Erschienen 29. Juli 2010 bei http://www.reuters.com.
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