4. DACH Branchenforum: Free Culture oder Kulturverlust: Welchen Einfluss hat das Internet auf Werte?

Unter der Überschrift "Schutz und Aufklärung" fand in der zurückliegenden Woche das 4. DACH Branchenforum im Umspannwerk Kreuzberg in Berlin statt. Zentrale Bestandteile dieser Veranstaltung, die gemeinsam von der deutschen Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU), des österreischischen Verein Anti Piraterie (VAP) und der Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE) ausgerichtet wurde, waren die Podiumsdiskussion sowie zwei kleine Panels, die am Donnerstag, 28.10.2010, nachmittags im Anschluss an die Begrüßung durch den Geschäftsführer der GVU, Dr. Matthias Leonardy, und zwei kurzen einführenden Statements stattfanden. Die Podiumsdiskussion ab 14 Uhr stand unter dem Motto "Free Culture oder Kulturverlust: Welchen Einfluss hat das Internet auf Werte?". Die Moderation hatte Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG, übernommen. Auf dem Podium saß mit weiteren Diskutanten Prof. Dr. Giesela Schmalz, die an der Rheinischen Fachhochschule Köln Strategisches Management und Marketing lehrt. Sie wurde insbesondere zu ihrem Buch "NO ECONOMY - Wie der Gratiswahn das Internet zerstört" befragt und wies darauf hin, dass Künstler heute in der Regel quersubventioniert sind und nicht von ihrer Kunst, sondern aus anderen Tätigkeiten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Deswegen müsse ein Weg gefunden werden, die widerstreitenden Interessen von Künstler und Nutzer einem Ausgleich zuzuführen. Vielmehr als in der Vergangenheit stünden Intermediäre durch die Verfügbarkeit künstlerischer Inhalte im Netz in der Pflicht, ihre Tätigkeit zu rechtfertigen. Sie vertrat die Ansicht, dass es möglich sein muss, Content auch gratis anzubieten, darüber aber nicht der Blick für die Möglichkeiten kostenpflichtiger Angebote verloren gehen darf. In dem Streben nach Verfolgung von Rechtsverstößen muss nach ihrem Dafürhalten die Netzneutralität gewahrt werden, gleichwohl sollen die Portalbetreiber zu einem Beitrag an die Künstler herangezogen werden. Der illegale Download sei kein auf untere gesellschaftliche Schichten beschränktes Phänomen. Mit ihr saß auch Thomas Siems von "Netti 2.0", einem Projekt des Stadteilzentrums Steglitz, auf der Bühne. Er sah vor allem das Verständnis der Nutzer dafür, dass nicht jeder Content for free verfügbar ist nur schwach ausgeprägt. Dieser Umstand liegt aber nach seiner Einschätzung viel weniger an einer fehlenden Fähigkeit, die jeweils konsumierte Leistung als werthaltig zu begreifen, sondern an der Gedankenlosigkeit der Nutzer. Als wesentliche Ursache dieser Gedankenlosigkeit erkennt Thomas Siems die mangelhafte Kommunikation zwischen Rechteinhabern und Nutzern, insbesondere sei das Verhältnis von Zugangskosten zu Content-Kosten dem durchschnittlichen Nutzer nicht klar. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass im Printbereich eine Inhaltsgleichheit zwischen kostenpflichtigem Druckexemplar und kostenloser Online-Ausgabe festzustellen ist. Bei dem Versuch, möglichst viele Rec…

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Themen: Internet Und Software , Berlin , Economy , Marketing , Moderation , Axel Springer AG , Keese , Public Affairs

Erschienen 2. November 2010 auf http://lawgical.jura.uni-sb.de/.

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