2012: Archen bauen, alle Klischees mitnehmen
Ja, es stimmt: Die Effekte sind fantastisch. Alles stürzt zusammen, explodiert, zerkocht in heißer Lava, verschwindet in tiefen Rissen, und was am Schluss noch übrig ist, versinkt in gigantischen Flutwellen. Nichts bleibt übrig, bis auf ein paar Menschen, vierhunderttausend etwa, die von dieser Katastrophe vorher wussten, dieses Wissen aber geheim hielten und in Windeseile gigantische Rettungsboote bauen ließen: Staatsoberhäupter, hohe Beamte, ausgewählte “Wissenschaftler und Künstler” und einige Milliardäre, die den ganzen Spaß bezahlt haben. Mit an Bord sind einige Kunstwerke und Tierarten. Man weiß ja nie.
Großartig auch, zum Teil, die Bildsprache: Im Himalaya-Hochgebirge baumeln Giraffen und Elefanten an Hubschrauberseilen ihrer Verschiffung entgegen, das Weiße Haus wird bei einer Flutwelle unter dem Flugzeuträger “U.S.S. Kennedy” begraben, und die Erläuterung des geologischen Phänomens “Erdkrustenverschiebung” übernimmt im Film kein gewichtiger Wissenschaftlerstab vor einer Batterie riesiger Flatscreen-Monitore und Terminals, sondern eine liebevoll zurechtgestümperte Flash-Animation.
Häufig, allzu häufig aber steckt der Film mit dem Arm bis zur Schulter im Klischeefass. Wo verläuft der erste Riss, bevor die Sixtinische Kapelle in Rom einstürzt? Genau: Exakt zwischen den berühmten Fingerspitzen. Wo wohnt der Verschwörungstheoretiker, der alles vorher gewusst hat? In einem vollgemüllten Wohnwagen. Überhaupt, die handelnden Personen: Jede einzelne Figur verdient den Präfix “Klischee-”. Es treten auf: Der Klischee-Russe (Milliardär, Ex-Boxer, rüpelhaft) mit seiner Klischee-Freundin (blond, schönheitsoperiert, mit Schoßhündchen) und zwei Klischee-Söhnen (aus erster Ehe, dick, verzogen), der Klischee-Präsident (edel, tüchtig, selbstlos) und sein Klischee-Stabschef (arrogant, zynisch, herzlos), ein Klischee-Wissenschaftler (bebrillt, gutaussehend, idealistisch), und, als Hauptfiguren, eine komplette Klischee-Scheidungsfamilie. Abziehbilder, allesamt, zum Mitfiebern untauglich. Unwillkürlich sucht man die bombastischen Szenen nach interessanteren Geschichten ab, findet aber keine. Nur Staffage, Menschenpuppen.
Also ergötzt man sich an den gigantischen Effektorgien, an der Zerstörungslust und an den durchchoreographierten Flucht- und Rettungsszenen. Verzeihlich, dass Risse im Boden und kollabierende Gebäude die Protagonisten grundsätzlich von hinten überfallen, als wäre der Weltuntergang kein Naturereignis, sondern ein sadistischer Schurke. Das ergibt zwar keinen Sinn, aber wunderschöne Verfolgungsjagden: Im Rücken der fliehende…
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Erschienen 12. Dezember 2009 auf http://ber1.wordpress.com.
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