13 befristete Arbeitsverträge hintereinander können zulässig sein
(c) BBH
Es scheint paradox, was der Europäische Gerichthof (EuGH) am 26.1.12 entschied: Wenn ein Arbeitgeber jemand befristet einstellt, ihn
aber über zwei Jahre hinaus beschäftigen will, braucht er einen sachlichen Grund für die Befristung. Es muss also schon von
vorneherein zu prognostizieren sein, dass der befristet angestellte Mitarbeiter nach Befristungsablauf nicht mehr benötigt wird. Für
den Fall, dass ein Arbeitnehmer nur zur eines anderen Mitarbeiters bis zu dessen Wiederkehr benötigt wird, ist der Fall an sich klar und
der sachliche Grund anerkannt. Der EuGH entschied aber nun, dass auch ein ständiger Vertretungsbedarf sogar mehrere
hintereinandergeschaltete Befristungen rechtfertigen kann. Eine mit einer Vertretungskraft ist also auch dann erlaubt, wenn von vorneherein feststeht, dass auch
über das Befristungsende hinaus weiterhin jemand benötigt wird, um andere Mitarbeiter zu vertreten.
Im konkreten Fall klagte eine Justizangestellte, die über einen Zeitraum von elf (!) Jahren auf der Grundlage von insgesamt 13 (!)
befristeten Arbeitsverträgen durchgehend beim Köln angestellt war. Alle 13 Verträge wurden zur Vertretung verschiedener, unbefristet
eingestellter Justizangestellter geschlossen, die jeweils vorübergehend beurlaubt waren.
Nach Ablauf der letzten Befristung klagte die nun schon langjährig beschäftigte Justizangestellte auf unbefristete
Weiterbeschäftigung. Es fehlte ihrer Ansicht nach an einem für die Wirksamkeit der Befristung nach § 14 Abs. 1 TzBfG erforderlichen
sachlichen Grund. Denn bei 13 aufeinanderfolgenden befristeten Arbeitsverträgen und einer Gesamtdauer von elf Jahren sei dem
Arbeitgeber die Berufung auf den Grund eines angeblich nur vorübergehenden Vertretungsbedarfs nicht mehr hinnehmbar.
Obwohl das
(BAG) auch in solchen Fällen bislang kein Befristungshindernis sah, bekam es diesmal europarechtliche Bedenken. Denn nach der
EU-Richtlinie 1999/70/EG sind unbefristete Arbeitsverhältnisse die übliche Form von Beschäftigungsverhältnissen und die
Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Missbräuche durch aufeinanderfolgende Befristungen nicht vorkommen. Daher
wollte das BAG vom EuGH in einem Vorabentscheidungsverfahren wissen, ob eine Befristung zur Vertretung auch dann wirksam ist, wenn
ein ständiger Vertretungsbedarf besteht, der auch mit einer unbefristeten Einstellung abgedeckt werden könne.
Der EuGH gab nun mit seiner Entscheidung vom 26.1.2012, Az. C-586/10 grünes Licht:
Selbst dann, wenn ein Arbeitgeber – wie in diesem Fall – so viele Beschäftigte hat, dass er wiederholt oder sogar dauerhaft auf
Vertretungen zurückgreifen muss, fehle es weder an einem sachlichen Grund dafür, noch läge allein darin ein Missbrauch. Allerdings
seien im Einzelfall Zahl und Gesamtdauer der in der Vergangenheit mi…
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