Shit happens!

von Prof. Dr. Arnd Diringer

Ein Beitrag aus der Reihe Rechtsgeschichte(n) von Prof. Dr. Arnd Diringer

„Mach dich raus“ brüllte ein Geschäftsführer in einem vom Arbeitsgericht Siegen (Urt. v. 27.1.2004, Az. 1 Ca 1474/03) und dem LAG Hamm (Urt. v. 26.11.2004, Az. 15 Sa 463/04) entschiedenen Fall, als er einen seiner Mitarbeiter auf der Toilette erwischte – angeblich schlafend.

Ertappt hatte er ihn bei einem Kontrollgang durch die sanitären Anlagen im Betrieb. Dabei stellte er fest, dass jemand in einer geschlossenen Kabine auf der Toilette saß und dabei die Hose anbehalten hatte. Er schlug daraufhin gegen die Tür und fotografierte den Beschäftigten über die Toilettentür hinweg in der Kabine. Als dieser das „stille Örtchen“ verließ befahl er ihm „in einem barschen Ton“, „sich hoch zur Personalabteilung zu machen.“

Das Unternehmen wertete den Vorfall als „sogenannte Pausenbummelei“ und kündigte dem Mitarbeiter außerordentlich, hilfsweise ordentlich.

Dieser bestritt die Vorwürfe. Auf der Toilette sei er wegen Magenproblemen gewesen. Er habe sich auf das Klosett gesetzt und den Kopf nach unten gehalten, um auf diese Weise dem Brechreiz entgegenzuwirken. Geschlafen habe er aber nicht. Zudem verweilte er nach seiner Darlegung maximal fünf Minuten auf der Toilette.

Die Magenprobleme konnte der Arbeitnehmer durch ärztliches Attest nachweisen – allerdings erst für die beiden auf das Geschehnis folgenden Tage. Das Verhalten des Geschäftsführers empfand er als unwürdig und beleidigend ...

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