Männlich, weiblich, anders? BVerfG erkennt drittes Geschlecht an!

von Dr. Christian Ostermaier

Jetzt ist es offiziell: es gibt mehr als nur zwei Geschlechter, nämlich ein drittes Geschlecht! Das „binäre System“ hat ausgedient: Personen, deren Geschlechtsentwicklung sich weder eindeutig dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lässt, sondern vielmehr „Varianten“ aufweist, und die sich auch selbst dauerhaft weder dem einen noch dem anderen zuordnen, sind weder „männlich“ noch „weiblich“ noch unbedingt geschlechtslos. Dies hat das BVerfG (Beschluss vom 10. Oktober 2017, 1 BvR 2019/16) nun in Bezug zum Personenstandsrecht entschieden, wo es bislang nur möglich ist, im Geburtenregister als Geschlecht des Kindes „männlich“ oder „weiblich“ anzugeben oder, wenn eine Zuordnung nicht möglich ist, die Geschlechtszugehörigkeit offen zu lassen (§§ 21 Abs. 1, 22 Abs. 3 PStG). Betroffene Personen begreifen sich jedoch keineswegs als ein „Nullum“ oder „geschlechtslos“, sondern als ein „aliud“. Und da die geschlechtliche Identität ein besonders relevanter Aspekt sowohl für die Wahrnehmung von außen als auch für die Persönlichkeitsentwicklung und Entfaltung des Betroffenen ist, verstößt die derzeitige Regelung nach Auffassung des BVerfG sowohl gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. 1 Abs. 1) als auch das Verbot der Diskriminierung wegen des Geschlechts (Art. 3 Abs. 3 S. 1 GG). Der Gesetzgeber hat nun bis zum 31. Dezember 2018 Zeit, eine Neuregelung schaffen; bis dahin dürfen Gerichte und Behörden die einschlägigen Normen des Personenstandsrechts im Umfang der Unvereinbarkeit nicht mehr anwenden. Die konkrete künftige Ausgestaltung bleibt also dem Gesetzgeber überlassen. Denkbar wäre, die Differenzierung zwischen den Geschlechtern ganz außen vor zu lassen, wo dies möglich ist, oder eine dritte Geschlechtsvariante (divers/inter/anders) einzuführen.

Die Entscheidung des BVerfGs wirft zahlreiche Folgefragen auf: wie ist eine solche Person korrekt anzusprechen? Wie ist der geschlechter-getrennte Sportunterricht z ...

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