Erschleichung des außerehelichen Beischlafs

von Jannina Schäffer

Bis zum Jahr 1969 stand die Erschleichung des außerehelichen Beischlafs in Deutschland unter Strafe. § 179 Abs. 1 StGB lautete damals:

„Wer eine Frau zur Gestattung des Beischlafs dadurch verleitet, daß er eine Trauung vorspiegelt, oder einen anderen Irrthum in ihr erregt oder benutzt, in welchem sie den Beischlaf für einen ehelichen hielt, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft.“

Auffällig ist zunächst, dass der Täter nach § 179 Abs. 1 StGB nur ein Mann sein konnte, während das Opfer zwingend eine Frau sein musste. Erschlich sich also eine Frau den außerehelichen Beischlaf, sah das der damalige Gesetzgeber nicht als strafbar an. Oder dachte er etwa ein solcher Vorfall würde in der Realität sowieso niemals eintreten?

Die volle Härte des Gesetzes bekam deswegen im Jahr 1966 ein Mann (Bundeswehrgefreiter, 24 Jahre) zu spüren, der sich im Dunkeln in das Schlafzimmer einer Frau (34 Jahre) schlich. Diese hielt den Eindringling für ihren Ehemann und hatte Sex mit ihm. Ein Gericht in Trier verurteilte den Mann nach § 179 Abs. 1 StGB zu acht Monaten Zuchthaus. Der Fall liest sich besser als jedes Reality TV Format:

Aus Furcht, seine Freundin würde ihn mit Herrn Sch. betrügen, begab sich der Angeklagte in der Silvesternacht um 4 Uhr morgens zur Wohnung der Eheleute Sch. Als er an einem Fenster im ersten Stock Licht sah, kletterte er über eine Gartenlaube zum nicht verschlossen Fenster und schaute hinein ...

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