Ist die Bezeichnung als „Hexe“ eine Beleidigung?

von Jannina Schäffer

Unsere heutige Kuriosität des Tages kommt aus Süddeutschland. Genauer gesagt aus Mannheim. Das dortige Landgericht (LG) musste sich im Jahr 1979 mit der Frage befassen, ob die Bezeichnung einer Frau als „Hexe” und „Hure” den Straftatbestand der Beleidigung erfüllt. Der Vorsitzende Richter Dr. Wolf Wimmer (auch bekannt aus seinem Teufelsaustreiber-Urteil) stellte dabei fest: „In Süddeutschland gibt es kein Dorf ohne als Hexen verrufene Frauen“.

Die Klägerin warf der Beklagten Beleidigung, Verleumdung und vorsätzliche Körperverletzung vor, weil diese sie als „Hexe” und „Hure” bezeichnet hatte. Dabei fügte die Beklagte der Klägerin mit einem Glaskrug blutende Verletzungen am Kopf zu.

9% der Bundesbürger halten Hexerei für möglich

Der Erstrichter am Amtsgericht (AG) hat daraufhin Beweis erhoben durch die Vernehmung zweier Zeuginnen, die im wesentlichen das Vorbringen der Klägerin bestätigt haben. Ursache der Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen soll der Hexenglaube gewesen sein. Die Beklagte behauptete, die Klägerin habe ihr über einen „Hodcha” (Hexenbanner) vier Zaubersprüche („Musca“) besorgt, um eine gewisse Kälte ihres Ehemannes zu beseitigen. Die Klägerin bestritt dies. Ihr zufolge habe die Beklagte sie (die gar nicht an Hexen glaube) grundlos als Hexe verschrien.

Der Richter führte dazu aus, dass der Hexenglaube im nahen Orient der Gegenwart außerordentlich weit verbreitet sei. Doch auch hierzulande stünde es kaum besser ...

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