„Das verstehen nicht alle“: Verbrannte Flaggen, Twitter und Gesetze

von Oliver García

Michael Hanfeld, bei der FAZ Sachbearbeiter mit den Themenschwerpunkten Kampf gegen das duale Rundfunksystem und Kampf gegen Antisemitismus, gab am letzten Dienstag unter „faz.net > Feuilleton > Debatten“ Einblicke sowohl in seine Fertigkeiten im Umgang mit Gesetzestexten als auch in seine Debattenkultur.

Unter dem Titel „Verbrannte Flaggen und Twitter: Judenhass in Deutschland“ griff er einen Tweet seines Journalistenkollegen Jakob Augstein vom Vortag auf und an, der da lautete:

À propos Rechtsstaat: Bei aller Empörung – das Verbrennen ausländischer Fahnen ist nicht grundsätzlich verboten. Mal einen Blick ins StGB werfen, §104

Dieser Tweet wiederum nahm Bezug auf eine Wortmeldung von Sigmar Gabriel, der getwittert hatte:

Bei aller verständlichen Kritik an der #Jerusalem-Entscheidung der #USA gibt es keinerlei Rechtfertigung israelische Fahnen zu verbrennen. Unser Rechtsstaat darf und wird das nicht tolerieren.

Augstein war nicht allein damit, die Aussage eines Ministers, der Rechtsstaat „werde das nicht tolerieren“, mit der geltenden Rechtslage abzugleichen. Bald erschienen Meldungen, beispielsweise bei tagesschau.de und im Blog des Rechtsanwalts Udo Vetter, daß das Verbrennen der israelischen Flagge als solches nicht strafbar ist. Wie bei Augstein wurde hierbei auf die engen Voraussetzungen von § 104 StGB hingewiesen.

Das hätte Michael Hanfeld interessieren können. Oder auch nicht. Denn statt tatsächlich nachzudenken und zu recherchieren, übermannte ihn die Freude, eine Beweisführung liefern zu können, daß Jakob Augstein ein Antisemit ist. Er schrieb – in der ursprünglich veröffentlichten Fassung seines Beitrags – über Augstein folgendes:

Nach den Hassausbrüchen in Berlin befand er es für nötig, darauf hinzuweisen, dass das Verbrennen ausländischer Fahnen „nicht grundsätzlich verboten“ sei. Man möge doch einmal einen Blick ins Strafgesetzbuch, Paragraph 104 werfen ...Zum vollständigen Artikel

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