Prügeln und die eigenen Verletzungen als Arbeitsunfall anerkannt haben wollen!?!

von Thorsten Blaufelder

Greift ein rabiater Arbeitnehmer einen Kollegen körperlich an, kann er dabei selbst erlittene Verletzungen nicht als Arbeitsunfall anerkannt bekommen. Zwar könne die Klärung eines Disputs durchaus im betrieblichen Interesse liegen, nicht aber das Rammen des Kopfes in den Bauch des Kollegen, entschied das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg in einem am Freitag, 08.12.2017, bekanntgegebenen Urteil (AZ: L 1 U 1504/17). Andersherum könne nach einem weiteren Urteil dagegen beim Opfer eines tätlichen Angriffs ein versicherter Arbeits- oder Wegeunfall vorliegen, so das LSG (AZ: L 1 U 1277/17).

Im ersten Fall kam es zwischen zwei Mitarbeitern eines Warenlagers zum Streit über die Arbeitsabläufe. Die Situation eskalierte und es kam zu Beschimpfungen und provozierenden Gesten. Der Kläger rannte auf seinen Kollegen zu und rammte ihm seinen gesenkten Kopf in den Rumpf. Beide gingen daraufhin zu Boden.

Insbesondere für den Angreifer ging die Tat nicht gut aus. Er erlitt einen Halswirbelbruch, der Kollege eine Rippenprellung. Der Angreifer wollte nun seinen Halswirbelbruch als Arbeitsunfall von der Berufsgenossenschaft anerkannt haben.

Das Sozialgericht Karlsruhe gab ihm noch recht. Es liege ein betrieblicher Zusammenhang zwischen der Auseinandersetzung und der Verletzung vor.

In seinem Urteil vom 22.11.2017 stellte das LSG jedoch fest, dass der erlittene Halswirbelbruch nicht auf einen Arbeitsunfall zurückgeht. Denn mit seinem Angriff habe der Kläger „den Schutzbereich der gesetzlichen Unfallversicherung verlassen“. Zwar könne die Klärung eines Disputs durchaus im betrieblichen Interesse liegen. Dem Kläger sei es aber gar nicht um die Klärung des Streits gegangen. Eine körperliche Attacke sei „nicht betriebsdienlich“ und störe das kollegiale Verhältnis in solchem Maße, dass eine künftige Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK