Jobcenter kürzt Bettler das Hartz IV

von Stephan Weinberger

Eine Mitarbeiterin des Jobcenters erkennt einen Bettler in der Dortmunder Innenstadt als ihren Kunden wieder. Nun werden ihm die Bezüge gekürzt, da das Jobcenter das Betteln als Nebentätigkeit einstuft. Außerdem soll Michael Hansen über seine Einnahmen Buch führen und sich beim Gewerbeamt erkunden, ob die Tätigkeit vielleicht sogar meldepflichtig sei. Beide Seiten verteidigen ihre Positionen.

Ihr Mann „ist am Schnorren“, gibt die 56-jährige Ehefrau des Mannes zu verstehen, als die Rheinische Post den Kontakt mit dem Betroffenen in der Dortmunder Innenstadt aufnehmen will. Der Medienrummel um seine Geschichte habe ihn ziemlich aufgewühlt. Hansen will deshalb heute kein Interview geben. Er sitzt wie so oft in der Dortmunder Innenstadt auf dem Boden vor einem Geschäft. Vor ihm steht ein Pappbecher, in den Passanten manchmal etwas Kleingeld werfen.

Zwar bekommt das Ehepaar, welches in der Dortmunder Nordstadt (einem sozialen Brennpunkt) lebt, Arbeitslosengeld II-Leistungen ausbezahlt. Doch das ist zu wenig, weshalb sich Michael Hansen irgendwann entschloss, an mehreren Tagen im Monat zu betteln. „Das müssen wir. Ob wir wollen oder nicht“, sagt seine Frau. Gerade jetzt sei das Betteln nötig, erzählt sie gegenüber der Rheinischen Post.

Doch eine Mitarbeiterin des Jobcenters sah Hansen beim Schnorren und veranlasste eine Kürzung der Bezüge: „Zuerst ist das Jobcenter von zehn Euro am Tag ausgegangen, die mein Mann sich beim Betteln dazuverdient und das sind 300 Euro im Monat, die wir weniger bekommen haben.“ Abzüglich einer Pauschale von 30 Euro landen vom Jobcenter dann 270 Euro weniger im Monat auf dem Konto der Hansens.

Die Eheleute haben nun eine Anwältin eingeschaltet, die Michael Hansen beim Betteln kennengelernt hat. Juliane Meuter geht gegen den Bescheid des Jobcenters mittels Widerspruch vor: „Das war für die Familie sehr dramatisch“, so die Anwältin für Sozialrecht ...

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