Der auf Bahnhofspennerniveau verharzte Volljurist

von Jannina Schäffer

Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg musste sich zu einer „subjektiv nicht ernsthaften Bewerbung eines Volljuristen“ äußern. Herausgekommen ist eine Entscheidung, die es zu Recht in die Reihe der „skurillen Altfälle“ schafft.

Der 1952 geborene, ledige Kläger bewarb sich 2006 auf die vom Beklagten ausgeschriebenen Stelle einer/eines Juristin/Juristen. Die Stelle war bei der Arbeitsgemeinschaft Arbeitslosengeld II angesiedelt und nach der Entgeltgruppe 10 TVöD dotiert. Die Bewerbung reichte der Mann schriftlich ein und verwendete für das Anschreiben seinen früheren Briefkopf als zugelassener Rechtsanwalt. Die Fußzeile lautete:

„Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Herren Lustmolche und Sittenstrolche, welche als die „Herren Freier“ regelmäßig in Bordellen verkehren, zu einer Sonderabgabe (Bordell oder Bordellumsatzsteuer) herangezogen werden müssten. Mit diesem Steueraufkommen sollte die Lebenssituation der Menschen in Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen verbessert werden.“

Volljurist auf Bahnhofspennerniveau verharzt

Als Bewerbungsfoto verwendete der Bewerber ein Lichtbild, das ihn anlässlich eines Schachturniers vor einem Schachbrett sitzend zeigt. Auf dem angehängten Lebenslauf stand unter anderem: „Einsatzbereit! Lässt sich kein X für ein U vormachen!“ Aus dem Lebenslauf ergab sich außerdem, dass der Mann 1980 sein erstes juristisches Staatsexamen mit der Note „befriedigend“ (7,25 Punkte) und 1982 sein zweites juristisches Staatsexamen ebenfalls mit der Note „befriedigend“ (7,34 Punkte) abgelegt hatte. Von 1982 bis 1998 war er als selbständiger Rechtsanwalt tätig. Danach folgt:

„Seit 01.02 ...

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