Rezension: Die „gestörte“ Hauptverhandlung

von Dr. Benjamin Krenberger

Rezension: Die „gestörte“ Hauptverhandlung

Artkämper, Die „gestörte“ Hauptverhandlung, 5. Auflage, Gieseking 2017

Von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Johannes Berg, Kaiserslautern

Im Verlag Ernst und Werner Gieseking erscheint in 5. Auflage die „gestörte“ Hauptverhandlung von Heiko Artkämper. Ich muss zunächst einräumen, als Verteidiger sicher nicht optimaler Rezensent eines Werkes für die Justiz zu sein. Obgleich dieses nämlich mitnichten der Bibliothek von Breidlingers „Notfallkoffer“ oder Heinrichs „Kampfansagen“ gegenüber der Konfliktverteidigung im Strafprozess zuzurechnen ist (dazu Sommer StV 2014, 443), täuscht das Vorwort insoweit, als Artkämper proklamiert, sich mit den nachfolgenden Ausführungen an die in der Praxis tätigen Strafjuristen zu wenden.

Werden auch Verteidiger den Autor für die Klarstellung des Begriffs der Konfliktverteidigung in Abgrenzung zu Klamauk-, Krawall- und Chaosverteidigung loben, so dürfte seine Einschätzung, die Beachtung von Presseresonanz sei nach dem Standesrecht der Anwaltschaft legitim (Rn. 38; vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.07.1987 – 1 BvR 537/81 = BVerfGE 76, 171 = NJW 1988, 191; Beschluss vom 14.07.1987 - 1 BvR 362/79 = BVerfGE 76, 196 =NJW 1988, 194 ), ebenso wenig Lust auf die weitere Lektüre machen, wie seine Doktrin, Staatsanwaltschaft und Gerichte seien im Gegensatz zur Verteidigung dazu berufen, den Rechtsstaat zu „retten“ (Rn. 18). Seine Sicht der Dinge wird jedoch keineswegs bei jedem Staatsanwalt oder Richter zutreffen. Vielmehr wird ein Großteil seiner Leser weiterhin aktive und effektive Verteidigung mit einer solchen verwechseln, die den Konflikt um seiner selbst willen sucht ...

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